Mitte März bis 10. April 2020 täglich. Ab 11. April 2020 erscheinen die Beiträge jeden zweiten Tag. Ab Montag, 22. Juni 2020 immer montags und donnerstags.


Donnerstag, 17. September 2020

Fasten

Ich faste. Seit Monaten. Damit geht es mir phantastisch!
Dabei nehme ich kein Gramm ab. Und esse ganz normal.

Was ich tue? Ich mache Nachrichten-Fasten.

Zeitungen, Radio, Fernsehen sind weitestgehend aus meinem Leben verschwunden. Ich halte mich lediglich noch im Großen und Ganzen auf dem Laufenden darüber, was in der Welt geschieht.
Etwas besseres hätte ich für mein Wohlbefinden nie tun können! Jetzt entscheide ich selbst, womit mein Bewusstsein und mein Gefühlsleben geflutet werden!

Ganz sicher gehören dazu nicht Unmengen von Bildern voller Schrecken, Grausamkeit, Horror und Machtlosigkeit gegenüber den menschengemachten und naturgewaltigen Schrecknissen des Lebens.

Dass die Welt dringend mehr Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und Bewusstsein der Verbundenheit untereinander bedarf, weiß ich seit Jahrzehnten. Ich muss mich wirklich nicht täglich vollstopfen mit Details davon. Muss mich nicht täglich überrennen lassen mit all jenen Botschaften, aus denen für wache Menschen zu erkennen ist, dass es dessen noch immer und zur Zeit mehr denn je bedarf.

Wunderbare Folge davon ist, dass ich dann auch keiner Betäubung der aufgewühlten Emotionen von Schreck, Angst, Hoffnungslosigkeit und Ausgeliefertsein mehr benötige, denn diese existierren als durch die Nachrichtenflut angeschürte nicht mehr. Somit habe ich auch seit Monaten keine der bekannten Mediatheken mehr aufgerufen. Arte ausgenommen, wo ich zum Bügeln die zahlreichen Filme über Kunst und Künstler genieße.

"Aber das geht doch nicht!", höre ich jetzt viele sagen. "Man muss doch informiert bleiben! Man muss doch wissen, was in der Welt los ist!"
Stimmt.

Aber jetzt bestimme ich, wie detailreich und wie weit ich diese Nachrichten zulasse.
Und, noch wichtiger, woher ich sie beziehe.

Von Kind an habe ich gelernt, die Geister zu scheiden. Mein Vater (1920-2001) war auf seine Weise ein äußerst kritischer Kopf und selbständiger Denker. Auf einem Foto aus seiner Rekrutenzeit ist er im Kreise seiner Mitsoldaten zu sehen. Alle in Uniform. Er mit weißem Rollkragenpullover, entspannt an die Mauer des Gebäudes gelehnt. Dies Foto charakterisiert ihn gut. Das kritische Denken und den Freiheitswillen hat er mir mitgegeben.

Genau deswegen entscheide ich jetzt selbst, was ich zu mir nehme und woher ich es mir hole.
Das ist ein bisschen mühsam manchmal. Und kostet Denk-Arbeit und große Aufmerksamkeit auf Zwischentöne und Farbnuancierungen.
Aber es lohnt sich. 


Mir geht's damit gut. Viel besser als vorher. Unpolitischer bin ich dadurch nicht geworden. Eher im Gegenteil. Politisch aufmerksamer und sensibler.

"Aber dann bist Du ja wie die…. (setze hier ein, welches der gängigen Schimpfwörter auch immer Dir in den Sinn kommt)…!"

Na und? Solche platten Etiketten besagen gar nichts.
Ich "war" in meinem Leben schon vieles, was in den zu jener Zeit aktuellen Werturteilen gerade als "schlecht" bezeichnet wurde. Und was heute vielfach mehr als salonfähig ist.

Ich kann nur jeden und jede ermutigen, es auszuprobieren:
Steig aus dem Strom der Über-Informierung und seiner suggestiven Bilder aus!

Was andere dann über Dich sagen? Lass es an Dir abglei
ten.

 

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's herrlich ungeniert (und glücklich).

Montag, 14. September 2020

Selbst-Liebe



Der folgende Text wird im Netz Charly Chaplin zugeschrieben, der ihn als Rede an seinem 70. Geburtstag gehalten haben soll. Allerdings konnte ich dafür keinen Beleg finden. Es gibt aber ein Buch von Kim McMillen und ihrer Tocher Alison McMillen aus dem Jahr 2001, "When I loved myself enough", das einen sehr vergleichbaren Inhalt ausdrückt.
Die unten stehende Fassung sei, so habe ich gelesen, die deutsche Übersetzung einer englischen Übersetzung einer portugiesischen Übersetzung des original in Englisch erschienenen Buches, alle in solch einer "stillen Post" denkbaren Übertagungsfreiheiten eingeschlossen.

Mir selbst kam der Text in den letzten Tagen mehrfach auf den Weg, und von wem er auch letztendlich stammt – ich konnte bislang nicht dahinter kommen, wer unten stehende Version erstamals im Internet veröffentlicht hat -, er gefällt mir, und ich finde viel Wahres in ihm.

Daher teile ich ihn heute mit allen meinen Leserinnen und Lesern:

Als ich mich selbst zu lieben begann, erkannte ich, dass Seelenschmerz und emotionales Leiden nur Warnzeichen sind dafür, dass ich entgegen meiner eigenen Wahrheit lebe. Heute weiß ich, das ist AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden beeinträchtigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, dass der Zeitpunkt nicht stimmt und dieser Mensch nicht dazu bereit ist - und das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selber bin. Heute nenne ich das RESPEKT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, hörte ich auf, mich nach einem anderen Leben zu sehnen, und ich konnte sehen, dass alles , was mich umgibt, mich einlädt zu wachsen. Heute nenne ich dies REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, dass ich mich in allen Umständen stets zur rechten Zeit am richtigen Ort befinde und alles genau zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Von da konnte ich gelassen sein. Heute nenne ich dies SELBST-VERTRAUEN.

Abbildung "Selbstfürsorge", www.freepic.com
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich es sein lassen, mir meine eigene Zeit zu stehlen, und ich hörte auf, große Zukunftsprojekte zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude bereitet und mich glücklich macht, Dinge, die ich gerne tue und die mein Herz zum Lachen bringen - und ich tue sie auf meine Weise und in meinem Rhythmus. Heute nenne ich das EINFACHHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, befreite ich mich von allem, was nicht gesund ist für mich - Nahrung, Menschen, Dinge, Situationen - und von allem, was mich herunterzieht und mich von mir wegzieht. Erst nannte ich diese Haltung einen GESUNDEN EGOISMUS. Heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, ließ ich es sein, immer recht haben zu wollen, und seitdem habe ich mich viel weniger geirrt. Heute habe ich entdeckt, das ist MÄSSIGUNG (wahre BESCHEIDENHEIT).

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiterhin in der Vergangenheit zu leben und mich um die Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur für diesen Augenblick, wo ALLES stattfindet. Heute lebe ich jeden Tag einfach nur Tag für Tag, und ich nenne es ERFÜLLUNG.

Als ich mich selbst zu lieben begann, erkannte ich, dass mein Denken mich verstören, unruhig 
und krank machen kann. Doch als ich es mit meinem Herzen verbunden hatte, wurde mein Verstand ein wertvoller Verbündeter. Diese Verbindung nenne ich heute WEISHEIT DES HERZENS.

Wir brauchen uns nicht länger fürchten vor Argumenten, Konfrontationen oder vor jeglicher Art von Problemen mit uns selbst oder mit anderen. Selbst Sterne stoßen zusammen, und aus ihrem Zusammenprall werden neue Welten geboren. Heute weiß ich, das ist LEBEN.

Donnerstag, 10. September 2020

Distanz fatal



"Gespräche sind der wirkungsvollste Weg, tief greifende soziale Veränderungen herbeizuführen." 
(Meg Wheatly, zitiert in N.D. Walsch, Der Sturm vor der Ruhe, Berlin 2012, Seite 65)


Gute Gespräche, mit Menschen, live, gehören zu den Dingen, die ich am meisten vermisse. Schon bevor der Wahnsinn des großen C losging, lebte ich einigermaßen zurückgezogen. 
Aber ich hatte meine Frankfurt-Reisen und dort allerlei Begegnungen mit lieben Menschen. Wir gingen ins Café, gemeinsam Essen, besuchten zusammen Museen, machten Spaziergänge, trafen uns bei einer von uns zuhause zum Kaffeeklatsch.



Mit dem Maskenzwang wurde mir die bequeme Bahn-Reisemöglichkeit nach Frankfurt genommen, ich bin nach 10 Minuten mit so einem Ding vorm Gesicht kaputt. Und vom "urbanen Leben" ist ja auch nicht mehr so viel übrig, mit den Gesichtslappen überall zwischen den Menschen.

So bleiben mir Chats, Telefongespräche, mails, Briefe. 

Und dieser Blog. Der ja mehr eine Einbahnstraße*) ist… aber immerhin kann ich meine Gedanken in die Welt hinaus schreiben.

Und erneut geht mir durch den Kopf: "honni soit qui mal y pense" – Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - wenn ich weiterlese, was Meg Wheatly im Jahr 2002 weiter schreibt:


"Echte Gespräche sind (…) ein zeitloser und verlässlicher Weg, wie Menschen gemeinsam denken können. (…) Wir hungern nach Gelegenheiten, miteinnder ins Gespräch zu kommen. Die Leute möchten die eigenen Geschichten erzählen und sind bereit, sich Ihre anzuhören. (….) Veränderung wird nicht dadurch herbeigeführt, dass jemand sich hinstellt und einen Plan verkündet. Veränderung kommt tief aus dem Inneren eines Systems, wenn einige Leute erkennen, dass da etwas ist, was sie nicht länger zu tolerieren bereit sind, oder wenn jemand einen Traum zukünftiger Möglichkeiten hat und sie auf diesen Traum reagieren."

Honni soit qui mal y pense…  
Wenn man bedenkt, dass Regierungen weltweit die Menschen in die Distanz von einander zwingen. Und in vielen Ländern sie auch noch die Hälfte ihres Gesichtes verbergen müssen.
Sich einen Maulkorb umhängen müssen. So nennen es manche.



Es ist für uns als soziale Lebewesen überlebenswichtig, die Distanz zu überwinden.
Wir müssen uns wieder nahe kommen. Wir müssen wieder mit einander ins Gespräch kommen. Gedanken austauschen. Gefühle besprechen. Wie es uns geht. Wie wir mit der Situation umgehen. Können. Wollen. Müssen.

Finden wir Möglichkeiten, zu einander zu kommen!

 

Ich kenne die Regeln in den einzelnen Bundesländern nicht. 
Wir hier in den Niederlanden können einigermaßen frei mit einander umgehen und dürfen auch bis zu 6 haushaltsfremde Personen in der eigenen Wohnung empfangen. 
Wir dürfen einander also besuchen. Sicher gibt es auch vergleichbare Regelungen in Deutschland, wenn die auch pro Bundesland anders sein mögen.
 






Man kann auch gemeinsam Spazierengehen, Radeln, Laufen – Freiluftaktivitäten.

Man muss sich nur trauen.
Lasst uns die Distanz überwinden!





Normalerweise habe ich nicht viel mit Schlagerartigem am Hut. Dieser Song aber hat mich berührt. Darum teile ich ihn hier zum Abschluss meines heutigen Blogbeitrags. 

 
Über den Künstler und seine Motivation ist auf seiner Website  mehr zu finden

Der Song stammt von Alex Olivari (*1967), der über sich selbst schreibt:
"Als Gitarrist, Bassist, Sänger und Keyboarder bin ich schon eine halbe Ewigkeit unterwegs und habe für nationale und internationale Künstler gearbeitet:

Jennifer Rush, Paul Carrack, Spencer Davis, Gloria Gaynor, The Kelly Family, Guildo Horn, Barbara Dennerlein, Tommy Engel, Matthias Reim und viele mehr.

Jetzt konzentriere ich mich auf meine große Leidenschaft: Das Komponieren und Produzieren von Songs."

*) Es ist durchaus erlaubt und erwünscht, Kommentare zu meinen Texten zu schreiben. Manche tun das ja schon. Danke dafür!
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