Mitte März bis 10. April 2020 täglich. Ab 11. April 2020 erscheinen die Beiträge jeden zweiten Tag. Ab Montag, 22. Juni 2020 immer Montag und Donnerstag abends. Ab Montag, 13. Dezember 2021 am Montagabend nach 22 Uhr.


Montag, 7. Februar 2022

Danke - ja

Dünenlandschaft auf Borkum, Foto 2007
 

 

 

 




 "...noch weht mir der Wind von der See her entgegen,
noch finde ich Sand in meinen Hosenumschlägen
und Dünengras in meinem Haar…" *)

Heute ist einer dieser Tage, an denen mir diese Zeilen aus einem Lied von Reinhard Mey in den Kopf kommen, während ich meinen täglichen Spaziergang durch das Pärkchen und unser Dorf mache. Es weht ein sehr kräftiger, fast stürmischer Nordwestwind, Wind aus jener Richtung also, in der das Meer liegt. Er bringt diese Frische mit, die auch hier, ein ganzes Stück entfernt von der Küste, noch an die See erinnert und eben die oben zitierten Empfindungen heraufbeschwört. Dazu diese einmalig klare Luft, kalt zwar, aber herrlich. Am Himmel jagen dicke weiße Wolken, auch manchmal große, schwere Dunkle, zwischendurch große Fetzen oder auch weite Stücke herrlichen Blaus; kaum vernebelt von den seit dem Frühling 2021 beinahe allgegenwärtigen hohen Schleierwolken, die im gesamten letzten Jahr der Sonne ihre Kraft geraubt haben. Heute hat die Sonne Kraft, schon deutlich erahnbare Frühjahrskraft, die in der diesen Winter bislang nur oberflächlich im Winterschlaf liegenden Natur neues Leben wecken wird. Von diesem Leben ist jetzt, Anfang Februar, schon viel zu sehen. **) Auch zu hören, denn seit einigen Tagen bereits sind wieder Vogelgesänge zu hören. Noch nicht üppig, aber doch nachdrücklich anwesend.
Das Leben fühlt sich – normal an.

Bis mir unterwegs, vom Bahnhof her - gerade hat ein Zug den Haltepunkt in Richtung Groningen verlassen -  ein Jugendlicher kräftig gegen den Wind tretend auf dem Rad entgegenkommt, seine schwarze Stoffmaske noch im Gesicht. Was ihm eine Art Schimpansenmundnasenpartie verleiht. Kurze Erinnerung an die Absurdität dessen, was das "Neue Normal" angeblich sei. Mein "Neues Normal" wird ein anderes sein; jenes das sich als Vision entwickelt, wenn ich über die "neue Erde" träume.
Das nur nebenbei.

Narzissenblüte im Februar
Nachdem ich mich später zuhause mit dem Lunch und der begleitenden Tasse Suppe aufgewärmt habe
und eigentlich nach oben zum Ruhen gehen will, lockt mich die Sonne noch einmal nach draußen auf die Terrasse. Dort kann ich in der Ecke zwischen Haus- und Wirtschaftsraumwand herrlich windgeschützt in der Sonne stehen. Jetzt erst spüre ich die Volle Vorfrühlingskraft unseres Zentralsterns. Ich krempele die Ärmel hoch, ziehe meinen Kragen ein Stück nach unten, will ohne es kalt zu kriegen so viel Sonne wie möglich tanken. In meinem Gesicht genieße ich die wohltuende, heilende Kraft des Sonnenlichts.

Wie von selbst stellt sich die Erinnerung an eine Übung ein, die ich vor ein paar Tagen im Interview eines bereits abgelaufenen Online-Kongresses von Udo Grube gehört habe. An sich ist sein Tip dazu gedacht, sich selbst zu helfen, wenn es einem mal gerade ganz und gar nicht gut geht. Das habe ich die letzten zwei Tage ein paar Mal ausprobiert, und obwohl ich erst das Gefühl hatte, dass sich gar nichts tue, hatte ich irgendwann später festgestellt, dass sich doch irgendwie innere Ruhe eingestellt hatte. Warum es nun nicht tun, um mich mit einem guten Gefühl noch besser zu fühlen?

Die Übung ist ganz einfach:
Tief einatmen, dabei innerlich "Danke" sagen
3 Sek Pause
Ausatmen, dabei innerlich "ja" sagen
Das ganze 10 bis 15 Mal wiederholen bzw. bis zu vier Minuten lang.

Und – tatsächlich, das wunderbar entspannte Glücksgefühl beim Sonnen verstärkt sich noch. Und meine Wahrnehmung verändert sich. Ich höre auf einmal ganz bewusst alle Geräusche um mich herum. Was für ein Konglomerat aus menschengemachtem Lärm und Naturklängen. Beim Getreide-, Saatgut-, und Düngemittelhändler hinterm Bahnhof mit seiner inzwischen enorm gewachsenen Anzahl von riesigen Silos rauscht, rumpelt, bläst alles Mögliche. Irgendwo pumpt eine Pumpe.
Der Verkehr von der Autobahn ist vergleichsweise schwach zu hören. Der Wind tost in den Ästen der Parkbäume. Vögel tirilieren. Irgendwo wird gehämmert. Die Efeublätter der Hecke rascheln windbewegt. Ich spüre der Wärme auf meiner Haut nach. Und dem Licht hinter den geschlossenen Lidern. Ich bewege meinen Kopf, so fällt das lidgedämpfte Licht mal von der rechten, mal von der linken Seite aufs Auge. Ein nicht zu definierender, sicher aus irgendeinem Haus nach draußen gewehter Geruch hängt in der Luft, irgendwas Gebäck-artiges, ich kann es nicht näher deuten.

Ab und zu blinzle ich, wenn es plötzlich kühl wird. Kleine Wölkchen, die wieder vorbeiziehen, verdunkeln kurz die Sonne. Lange werde ich hier nicht mehr stehen können, aus dem Nordwesten kommt eine große, schwarze Wolke angezogen. Als ihre Spitze die Sonne erreicht, gehe ich nach drinnen. Kurz darauf regnet es.

Während ich nach oben gehe, fällt mir das kurze Video von Tijn Touber ein, das ich heute Morgen angehört habe. Kluge Gedanken zur ganz aktuellen Situation. Er befasst sich mit den Hoffnungen, die jetzt allerorten aufkeimen bei den Menschen, auf jeden Fall hier im Land. Ganz, ganz viele hoffen, dass die Niederlande es bald Großbritannien und Dänemark u.a. nachtun und alle Maßnahmen fallen lassen. Um hoffentlich schnell zum "alten Normal" zurückkehren zu können. Touber macht auf die Gefahr aufmerksam, die in dieser Hoffnung verborgen ist: sollte diese Rückkehr zu der Art Leben möglich sein, die wir vor der Krönchenzeit gelebt haben – und jenes Leben (gesamtgesellschaftlich und global betrachtet) war ja weder wirklich schön in einem tieferen Sinn und wirklich lebendig, noch freundlich zu den lebenden Mit-Wesen - , dann könnte es passieren, das Viele ganz viel von dem vergessen und wieder wegsinken lassen, was sie in den letzten zwei Jahren gelernt, praktiziert und über die Zusammenhänge in unseren herrschenden Gesellschaftssystemen begriffen haben.

Das wäre sehr, sehr, sehr schade. Und für die tatsächliche Weiter-Entwicklung der Menschheit mehr als nachteilig. Wach bleiben und die Art von Leben als Vision und Ziel im Auge behalten, die ich wirklich, wirklich leben will – das ist gerade, wenn die Lage sich zu ent-spannen scheint, besonders wichtig.

Ausschnitt der Titelseite des New Earth Manifesto
Danke Tijn, dass Du das bewusstgemacht hast.

 *) Reinhard Mey, "Wirklich schon wieder ein Jahr"
**) Die meisten Fotos in diesem Blog sind gestern und heute entstanden. Liebe Stammleserin, Deinen Wunsch zu erfüllen war mir eine Freude.

Montag, 31. Januar 2022

Geburtstag in diesen Zeiten

Vor einigen Tagen hatte mein Mann Geburtstag. An sich hatte seine Tochter mit ihren zwei Mädchen (11 und 15) am Wochenende davor aus dem Westen des Landes zu Besuch kommen wollen. Seit Ende Januar 2020 haben wir uns nicht mehr gesehen. Die drei wollten hier zwei Tage und zwei Nächte bleiben.

Am Tag vor dem angedachten Besuch bekamen wir die Nachricht, dass die jüngste Tochter mit ihrer ganzen Klasse in Quarantäne musste; eine Mitschülerin und drei Lehrerinnen, die in der Klasse unterrichten, waren positiv getestet.
Aus die Maus mit dem Besuch. *)

Keine Extra-Lebendigkeit im Haus. Auch keine Extra-Tätigkeiten wie Extra-Saubermachen, Extra-Bettwäsche-Waschen, Extra-Einkäufe – alles hat seine zwei Seiten. Aber wir haben uns gegenseitig versichert: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Mal sehen, wann es so weit ist.

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Zum Geburtstagskaffee nachmittags kam eine gemeinsame Freundin, die 15 Auto-minuten entfernt wohnt. Auch wir haben einander schon wieder seit Monaten nicht gesehen und nur ganz ab und zu mal telefoniert. In diesen letzten zwei Jahren sind alle sozialen Beziehungen ausgetrocknet.

Schon seit Tagen freute ich mich wie Bolle auf die Abwechslung in unserem täglich gleichen Lebensalltag.

Es war richtig schön, bei Kaffee, Kuchen, Kerzenlicht zusammen zu sitzen und sich zu unterhalten oder eine kleine Weile dem Orgelspiel des Geburtstagskindes zu lauschen. Unsere Freundin mag Orgelmusik sehr, und es gab einen neu erworbenen, französisch-barocken Sampleset der Hauptwerk-Orgel zu bewundern.  Also hörten wir ein paar Teile aus der "Messe pour les Paroisses" von François Couperin.

Eines der Geschenke, das die Freundin mitgebracht hatte, ist ein Bildband aus dem Jahr 1982 mit Fotos aus dem Leben von Menschen in muslimisch geprägten Staaten. Wunderbare Fotos! Richtig großartige Fotokunst. Zuallererst wird mir bewusst, dass ich diesen Bildern noch glauben kann.
Digitale Bearbeitung gab es damals noch nicht. Die Schönheit der abgebildeten Menschen ist ihre wirkliche Schönheit. Viele Szenen mögen auf die eine oder andere Weise gestellt sein; dennoch haben die Bilder eine Seele und eine  authentische Atmosphäre. Noch nie ist mir der Unterschied zur digitalen, professionellen Fotowelt, die uns heute in den Medien präsentiert wird, so deutlich geworden wie beim Betrachten dieser Bilder.

Wie im Flug verging die Zeit. Der Kuchen war verdrückt, die zweite Tasse Kaffee getrunken, und nach niederländischem Ritual wären wir jetzt an den Punkt "Erfrischugnsgetränke und Knabbereien" gekommen im Lauf des Geburtstagsnachmittags. Aber es wurde bereits allmählich dunkel draußen, und unsere Freundin, die die 80 bereits überschritten hat, wollte nicht ganz im Dunkeln fahren müssen. Es half nichts, nach den gerade mal etwas mehr als zwei Stunden wollte sie partout nach Hause. Ohne die früher selbstverständliche Umarmung verabschiedeten wir uns, winkten ihr noch nach.

Das war es dann. Zweieinhalb Stunden, auf die ich mich tagelang gefreut hatte. Eine schöne, eine lebendige Zeit, endlich mal wieder mit jemand zusammensitzen. Aber so schnell vorbei.

Wir waren wieder zu zweit. Zurück in unserem üblichen Alltag. Abgesehen von dem Rest Kuchen und Schlagsahne, die uns morgen und übermorgen an heute erinnern würden.

Am weiteren Geburtstagsabend durfte man gespannt sein, was die niederländische Obrigkeit in Gestalt des Ministerpräsidenten und des Gesundheitsministers in der Pressekonferenz verkünden würden an "Erleichterungen". Die Gerüchteküche blühte schon seit Tagen und erzählte von "Restaurants wieder auf", mit Fragezeichen "Museen wieder auf", auch "Theater und Konzertsäle wieder auf" – aber alles muss um spätestens 20 Uhr schließen. Offenbar hatte - so bissige Kommentare im Radio -  niemand den kulturell banausigen Politikern erzählt, dass Theater und Konzertsäle normalerweise um 20 Uhr öffnen. Unter welchen Bedingungen diese 'Lockerung des Lockdowns' zugestanden werden wird, ist zu jenem Moment noch unklar. **)


"Bedingungen, unter denen der Besuch von kulturellen Veranstaltungen oder der Besuch von Restaurants zugestanden wird".
Wie verrückt ist das denn, mit normal-nüchternen Augen betrachtet?

Viele haben sich daran gewöhnt, einem ständigen Auf und Ab von Einschränkungen, Lockerungen, mehr Einschränkungen, wieder ein paar Lockerungen, Einschränkungen, Zugeständnissen….. unterworfen zu sein. Ich persönlich werde mich niemals daran gewöhnen.

Ich bleibe dabei, das einen sehr irrealen Vorgang zu finden.

Man muss sich das mal mit seinem inneren Bewusstsein von 2019 vorstellen: die Obrigkeit schreibt der Bevölkerung vor, was sie wann darf und nicht darf; wie weit man von anderen Menschen weg stehen oder sitzen muss; ob man im Restaurant essen gehen darf oder nicht; ob Menschen Konzerte erleben, Museen besuchen, in Tiergärten herumschlendern dürfen oder nicht; ob man dem eigenen Kind sonntags beim Fußballspielen zusehen darf oder nicht bzw. ob dies Kind überhaupt Fußballspielen darf.

'Mein Bauch gehört mir' haben Frauen zu Zigtausenden in den 70ern immer wieder gerufen und geschrieben. Mit Erfolg. Keine Frau braucht (in den meisten europäischen Ländern) heute noch ungewollt Mutter zu werden.

 

 

 

Wie wäre es nun mit dem unüberhörbaren Ruf "Meine Lebendigkeit gehört mir"?

 

 



*) Und das war vielleicht auch gut so.
Jüngste Tochter erkrankte dann doch auch, undramatisch. Glücklicherweise ist sie schon auf dem Weg der Besserung.

**) Letztlich darf alles bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Allerdings ist für beinahe alles, auch für Dinge, die vorher ohne zugänglich waren wie z.B. Sport, ein "coronatoegangsbewijs", eine Corona-Eintrittskarte, nötig. Übersetzt in den deutschen Sprachgebrauch: "3g". Bücher ausleihen in der Bibliothek darf man noch ohne. Und Einkaufen und Haareschneiden auch.  

Montag, 24. Januar 2022

Die Teddys räumen weiter

Eigentlich hätte ich es mir ja denken können!
Es wäre besser gewesen, ich hätte gleich alles selbst weggeräumt, was an Weihnachtssachen nach der Aufräumaktion von Teddy und Martin noch im Wohnzimmer stand. Aber ihr wisst ja, wie das ist: man weiß, da liegt was, das getan werden muss. Aber dann fehlt vollkommen die Lust dazu, es auch anzupacken.

Tja, und wer mit abenteuerlustigen Teddys zusammenlebt, bekommt dann manchmal eine Quittung für seine Bequemlichkeit.

Gestärkt von den leckeren Keksen und nach einem bärig guten Schlaf machten Teddy und Martin am nächsten Morgen gleich weiter. Die A4-formatige Weihnachtskarte zeigte sich allerdings widerspenstiger, als beide gedacht hatten. Erst recht, wenn bär gleich zwei Sachen auf einmal hochschleppen will. Die Tannenzweige im Arm machten das Ganze nicht einfacher...

Nachdem das geschafft war, wurde das erste der zwei weihnachtlichen Erbstücke von Oma in Angriff genommen. Fragt mich nicht, wie die beiden es geschafft hatten, das Cembalo zu erklimmen, auf dem das Gipsbäumchen seinen adventlich-weihnachtlichen Platz hatte. Zum Glück bekam mein Mann diese ganze Aktion nicht mit! Es ist eine ganz große Ausnahmen, dass dies Bäumchen überhaupt dort stehen darf. So ein Cembalo ist nämlich ein Musikinstrument, mit dem man sehr umsichtig lebt.

Aber, ehrlich gesagt, es sieht schon professionell aus, wie die beiden das anpacken.

Und, wie gesagt, das Cembalo hat alles ohne den kleinsten Kratzer überlebt. Auch das Tannenbäumchen aus Gips, alle Lichtchen und die beiden Figürchen, bei denen ich mich immer an Hänsel und Gretel erinnert fühle, kamen heil und ohne abgestoßene Ecken auf dem Dachboden an.


Tja, und dann machten die zwei Knaben sich hieran zu schaffen. Wißt Ihr noch?

So hatte das beim letzten Mal ausgesehen. Da standen die Flaschen noch auf dem Gabentisch... Bin ich froh, dass ich erst dazukam, als Teddy und Martin bereits damit beschäftigt waren, die Flaschen ordentlich ins Weinregal zu bugsieren.

Ehrlich gesagt, ist es mir ein Rätsel, wie es den beiden gelungen ist, den Rotwein heil von der 1,20 m hohen Anrichte heil nach unten auf den Boden zu bringen.



 

 

 

Nicht auszudenken, wie die beiden und das Wohnzimmer ausgesehen hätten, wenn da was schiefgegangen wäre.
Aber offensichtlich... sind sie, wie wir alle, gut beschützt.

 

Um sich diesen Schutz zu erhalten, lud Martin kurz darauf zum meditativen Innehalten ein.
So wie es aussieht, hatte er großes Vergnügen daran, der Klangschale ihre bezaubernden Töne zu entlocken.
Teddy sieht noch nicht völlig entspannt aus. Ob er auch gerne mal den Zauberklang anstoßen würde? Wie ich Martin kenne, wird er seinem großen Freund später den Klöppel noch weitergereicht haben.

Und nun: auf zum letzten Akt!
Nach der Ruhepause - die Klangschale haben sie weiter nicht angerührt, die steht noch immer an Ort und Stelle - gings mit neuer Kraft ans Werk.

Den schwersten Gegenstand, unsere ebenfalls von Oma geerbte Lichttreppe, hatten sich die beiden Racker bis zum Schluss aufgehoben. Ui-ui-ui-ui-ui-ui-ui! wenn das mal gut geht! Glüclicherweise ist das Ganze aus Holz.

Ich bin froh, dass ich bei dieser Aktion erst dazukam, als Teddy, Martin und das Ungetüm bereits oben vor dem Arbeitszimmer angekommen waren. Das Rumpeln im Treppenhaus war ja nicht zu überhören gewesen! Erst hatte ich gedacht, dass vielleicht ein paar Schuhe aus dem Schuhregal gefallen waren, als mein Mann Straßenschuhe hatte packen wollen. Aber dann fiel mein Blick aufs leere Teddysofa, und mir schwante was...
Schimpfen konnte ich auch diesmal nicht. Die beiden sind einfach zu niedlich, wenn sie sich so abmühen. Und ganz schön fit und findig sind sie außerdem.

Trotzdem brachte ich die Lichttreppe dann doch lieber selbst weiter nach oben auf den Dachboden. Dann konnte ich sie auch gleich richtig verstauen. 

Das brauchte seine Zeit.

Von einem leeren Teddysofa konnte inzwischen keine Rede mehr sein.

Stolz wie Oskar und geschmückt saßen Teddy und Martin auf ihrem Stammplatz.

Die beiden Schokoteddys, wie die Plätzchen Geschenke extra für sie, mussten natürlich auch mit aufs Bild.

Ebenso wie all die wunder-wunderschönen Weihnachtskarten, die der Weihnachtspostbote uns dies Jahr gebracht hatte. Heute von Teddy und Martin in mühsamem Hoch- und Runterkraxeln alle vom Erdgeschoss ins Arbeitszimmer im 1. Stock gebracht.

Ach, sie sind einfach unwiderstehlich, meine beiden Abenteurer!




Montag, 17. Januar 2022

Die Teddys räumen auf

Eines Morgens, Weihnachten war schon eine Weile vorbei, saßen Teddy und Martin beim künstlichen Kerzenschimmer vor meinem Adventskalender und träumten noch ein bisschen vom Fest, das dies Jahr trotz aller Bemühungen ihrerseits irgendwie keines gewesen war. Die leise Enttäuschung stand vor allem Teddy deutlich ins Gesicht geschrieben.





Aber, kam ihm die Erleuchtung, war nicht vorgestern Dreikönig gewesen? Und er fragte sich und damit auch Martin laut: "Warum stehen die Weihnachtssachen hier eigentlich noch herum? Die hätten doch längst in den Sommerschlaf geschickt werden müssen!"

Nun, wenn ihre Menschin nicht wusste, was sich gehörte, dann würden Sie eben aufräumen. Gesagt getan!

Während Martin dann doch noch ein bisschen wetierträumte, begann Teddy schon mal mit der Arbeit.



Nun hatte Martin der Ehrgeiz gepackt. Wenn Teddy sich am Adventskalender zu schaffen machte, konnte er ja inzwischen die Tannenbaumkerze verpacken und wegbringen. 

 

 

 

 

 

 

Na also, wer sagt's denn!

Derweil kämpfte Teddy mit dem Adventskalender. Bevor dieser in seine Hülle verstaut werden konnte, mussten erst alle im Lauf des Dezember aufgesteckten Figuren und Tiere wieder entfernt werden.
Dabei stellte die Krippe den schwierigsten Teil dar. Weswegen er das als erstes anpackte.

Uff! geglückt! Und ohne abgeknickte oder eingerissene Ecken!



Die anderen Figuren, fast alles Tiere des Waldes, ließen sich leichter aus ihren jeweiligen Schlitzen im Karton holen.

Obwohl..... das Reh, das hatte es auch in sich! Und auch die kleine Blaumeise war nicht einfach zu packen gewesen, immer wieder hatte sie sich gegen seine großen Teddypfoten gesträubt.



Inzwischen hatte sich Martin hinzugesellt. Den knuffigen Bär mit seinem kugeligen Hinterteil hatte er leicht wegholen können. Als Verwandter hatte er sich natürlich kein bisschen gesträubt. Schon schwieriger war es mit dem schreckhaften, Männchen machenden Häschen, aber auch das war Martin schließlich gelungen.

Nächste Etappe: auf dem Wohnzimmerschrank die Glaskugeln mit den Engeln.

Bevor die beiden auf den Schrank geklettert waren, um diese nicht einfache Aufgabe in Angriff zu nehmen, hatten Teddy und Martin genauestens überprüft, was ich, ihre Menschin, gerade machte. Nicht, dass ich etwa in der nächsten halben Stunde herunter ins Wohzimmer käme und sähe, was sie da veranstalteten...





Oh là là! Gefährlich, gefährlich....

 



Aber auch das gelang hervorragend.

Eine kleine Viertelstunde später saß Martin zufrieden auf dem Fußboden und schloß den Karton, in den er - ganz wie es sich gehörte - die Kugel mit dem filigranen, Trompete blasenden Engel verstaut hatte.





Meine zwei Schlawiner hatten sich nicht getäuscht. Ich kam tatsächlich erst nach unten ins Wohnzimmer, als sie sich auf dem Gabentisch zwischen den Karten und Geschenken offenbar eine Ruhepause gönnten.

Dass sie schon am Aushecken ihrer nächsten Streiche waren, hätte ich mir denken können.

 

 

 

 

Aber wer hätte diesem Teddy widerstehen und ihm und seinem Gefährten böse sein können?

Lachend ging ich in die Küche und machte mir einen Tee.
Bevor ich wieder nach oben an den Schreibtisch verschwand, knuddelte ich meine beiden Abenteurer noch tüchtig. Nicht bedenkend, dass...


... sie natürlich ihre Neugier nicht würden bezähmen können. Kurz darauf nämlich schnappten sie sich die am schönsten aussehende Schachtel, kletterten mit ihr von der Anrichte, um sie auf dem Boden sitzend in Ruhe öffnen zu können.


Was hatten wir denn da?

Briefpapier. Hm. Immerhin ganz schön besonderes Briefpapier. Allerdings ist Briefe schreiben mit Teddypfoten nicht ganz einfach. Aber - da oben, in dem Fach unterm Deckel - oh, wie schön! jede Menge Sticker. Damit ließ sich ganz sicher irgendwann etwas anfangen!



Was Menschen so mit Briefpapier anfangen, damit beschäftigten sie sich kurze Zeit später.

Jemine, was für ein Berg Karten da zusammengekommen war! 


Ganz selbstverständlich gingen auch diesmal meine zwei süßen Gauner davon aus, dass alle ankommende Post, wenn schon nicht direkt für sie, dann doch wenigstens auch für sie sei.
Ungeniert nahmen sie sich alle Zeit der Welt, all die wunderherrlichen Weihnachtskarten mit ihren lieben, fröhlichen, phantasievollen Grüßen und Wünschen zu lesen.


Das Beste zum Schluss!
Diese Devise gilt auch für Teddys. Natürlich hatten sie die Schachtel mit ihrem Konterfei darauf schon gleich zu Anfang gesichtet. Und dass da was Leckeres drin sein musste, hatten ihre feinen Näschen ihnen schon mitgeteilt, ehe sie sie richtig gesehen hatten.




Jetzt war der Moment gekommen, um gemeinsam diese Schachtel von der Anrichte auf den Boden zu schleppen, sich in der ins Zimmer scheinenden Sonne niederzulassen und nach Herzenslust die herrlichen, selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen zu genießen, die ein lieber Mensch extra für sie geschickt hatte. 

Denn das war doch wohl klar: eine Schachtel, auf der lauter Teddys zu sehen sind, konnte nur für Teddy und Martin bestimmt sein!

Viel gelesen