Mitte März bis 10. April 2020 täglich. Ab 11. April 2020 erscheinen die Beiträge jeden zweiten Tag. Ab Montag, 22. Juni 2020 immer Montag und Donnerstag abends. Ab Montag, 13. Dezember 2021 am Montagabend nach 22 Uhr.


Donnerstag, 22. Oktober 2020

Liebe essen Angst auf

Heute habe ich wieder ziemlich zu tun mit einer großen Traurigkeit über das verlorene, einigermaßen unbeschwerte Leben. Unbeschwertes Leben, in dem man einfach so irgendwo essen gehen konnte; sich einfach so zur Begrüßung die Hand geben konnte (wisst Ihr noch, das war mal das Normalste von der Welt!); einfach so einkaufen gehen konnte; einfach so Menschen sehen konnte, umarmen, bei der Hand nehmen; einfach so in einen Bus oder einen Zug steigen und irgendwo hinfahren; einfach so irgendwo Urlaub machen; einfach so Feste feiern; einfach so irgendwo unter Menschen sein; einfach so in einer Kneipe am Tresen stehen oder in einem schier übervollen Restaurant noch den letzten Platz ergattern.

Das "einfach so" ist komplett aus unseren Leben verschwunden.
Es gibt kein "einfach so" mehr.

Davon kriege ich das Heulende Elend. Im Wortsinn.
Wie komm ich da wieder raus?
 

Erst mal einen Spaziergang machen, heute scheint glücklicherweise die Sonne, abgewechselt mit dramatischen Wolken, die im rasanten Tempo über den Himmel ziehen. Auch der der Wind hier unten am Boden ist sturmartig. Ich laufe über den Kanaldeich des Winschoter Diep, das durch unser Dorf führt, und wieder einmal wird mir bewusst, dass ich hier ja in einer Landschaft lebe, in der andere Urlaub machen.

Mitten auf der Wegstrecke bleibe ich stehen und halte mein Gesicht in die Sonne. Ich mache die Augen zu und eine Übung, die Christina von Dreien vorgeschlagen hat: jeden Tag 2-3 Minuten sich bildreich und mit den dazugehörigen Gefühlen vorstellen, wie ich mir das Leben nach dem Übergang vorstelle.

Schon besser.

Und dann kam mir, wieder zuhasue angekommen, ein mailing vom Verlag Hay House auf den Schirm. Der Name hängt zusammen mit der 2017 verstorbenen, spirituellen Lehrerin Louise Hay. Im Sommer hatte ich schon einmal einen wohltuenden Text von ihr zum Thema gepostet. Auch der Text heute ist mir eine hilfreiche Herausforderung in diesen Zeiten der wieder aufgerührten Angst(mache) – Zahlen, Zahlen, Zahlen und bedrohliche Szenarios aller Orten - , und darum teile ich die (verzeiht mir: holprige) Übersetzung davon mit Euch.

"Angst ist eine Begrenzung in unserem Geist. Es gibt so viele Leute, die Angst haben, krank zu warden oder obdachlos oder was auch immer. Wut ist Angst, die zu einem Verteidigungsmechanismus geworden ist. Sie schützt Dich.

Und doch wäre es viel mächtiger, wirksamer für Dich, stattdessen Affirmationen auszusprechen, so dass Du damit aufhören kannst, immer wieder neu angstvolle Situationen in Deinem Geist zu erwecken und Dich statt dessen durch die Angst hindurch selbst zu lieben. Ich wiederhole es, nichts kommt von außerhalb von uns. Wir sind im Zentrum von Allem, das in unserem Leben geschieht.  Alles findet innerlich statt – jede Erfahrung, jede Beziehung ist ein Spiegel eines mentalen Musters, das wir in uns haben.

Angst ist das Gegenteil von Liebe. Je mehr wir Willens sind, zu lieben und Vertrauen zu haben in wer wir sind, desto mehr ziehen wir diese Qualitäten auch zu uns selbst hin.

Wenn wir auf einer Schiene voller Ängstlichkeit sind oder uns beunruhigt fühlen oder besorgt oder uns gerade überhaupt nicht mögen – ist es nicht erstaunlich, wie dann noch dazu alles Mögliche schief läuft in unseren Leben? Eine Geschichte nach der nächsten. Es scheint niemals aufhören zu wollen.

Nun, genau der gleiche Mechanismus greift, wenn wir uns wirklich selbst lieben. Alles beginnt zu laufen wie geschmiert, wir kriegen lauter "grüne Wellen" und finden mit Leichtigkeit unsere "Parkplätze". All diese Dinge geschehen, die unser Leben so wunderbar machen, große und kleine. Wir stehen morgens gut auf und sind den ganzen Tag angenehm und wundervoll im Fluss."

Das Original ist zu finden in diesem Buch von Louise Hay: "The power is within you".

O.k. dann. Auf ein Neues.

Montag, 19. Oktober 2020

Ermutigung

 

Vor ein paar Tagen erreichte mich ein Brief mit dieser Karte. Reaktion auf meine wenig optimistischen Blogeinträge "Maulkorb", "Hinterm Gläsernen Vorhang" und "Flugblatt".Wegen letzterem hätte ich beinahe eine Freundschaft verloren. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Die Klappkarte ist innen und außen bestreut mit goldfarbenem Sternenstaub. Leider kann der Scanner goldfarben nicht darstellen und macht Schwarz daraus.

Die schwarzen Punkte müsst Ihr Euch in Gedanken wieder in Gold zurückverwandeln, liebe Leserinnen und Leser.



Dies ist die Innenseite der Karte:


Handschriftlich bekam ich eine weitere Botschaft mit auf den Weg, wofür ebenfalls vielen, lieben Dank:

In diesen Zeiten der Einschränkungen mag der Text etwas befremdlich klingen. Für mich ist es so: auf der einen Seite ist das, was draußen passiert, und auf der anderen das, was in mir passiert. Auf das "Draußen" habe ich wohl wenig Einfluss, auf das Innen lasse ich nur meinen Einfluss bestehen.
Meine "Freiheit zu" bleibt.

Ich kann mich weiterhin entscheiden, wie ich Geschehnisse einordne, wie ich sie bewerte und welche Lösungen ich in den Situationen finde.
Das bleibt mir immer.

Auf Dein momentanes Leben in den Niederlanden bezogen:

Ich kann mich grämen.
Oder ich kann einen Teddy ins Fenster stellen.

Schau aus nach vielen Teddy-ähnlichen Lösungen.
Und behalte Deinen freien Geist.

 

 Die Klappkarten macht Sylvia Bollmeier von Lichtblick09.






Donnerstag, 15. Oktober 2020

Tausend Spiegel

Foto von Hartmut Josi Bennöhr, D25791 Linden / Commons Wikimedia


Heute erzähle ich eine Geschichte nach, die ich selbst vor ein paar Tagen zugesandt bekam von  Steffen Lohrer, mit dessen virtueller Meditationsgruppe ich jeden Mittwochabend und Sonntagabend meditiere. Es ist eine alte indische Fabel, die mit leichten Abwandlungen vielfach im www kursiert. Mir hat sie ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Vor langer Zeit gab es in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg, und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund des Weges, erklomm den Berg und stieg die Stufen des Tempels hinauf. Die Tür stand offen, und so betrat der Hund neugierig und schnüffelnd den Tempel der tausend Spiegel.


Bildquelle
Im Saal der tausend Spiegel angekommen, sah er sich von tausend Hunden umgeben. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne.

Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel. Dieses Erlebnis gurb sich tief in sein Gedächtnis ein, und fortan glaubte er, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.

Einige Zeit später kam ein anderer Hund daher, und auch er erklomm den Berg und stieg die Stufen des Tempels hinauf. Wieder stand die Tür offen, und auch dieser Hund betrat neugierig und schnüffelnd den Tempel der tausend Spiegel. 

Standbild aus diesem Video
Im Saal mit den tausend Spiegeln angekommen, sah auch er tausend andere Hunde. Er freute sich über so viel Gesellschaft und wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf. Tausend Hunde wedelten augenblicklich auch mit dem Schwanz, sprangen fröhlich hin und her und forderten den Hund zum Spielen auf.

So etwas hatte er noch nie erlebt und voller Freude blieb er, so lange er konnte, im Tempel und spielte mit den tausend Hunden. 

Dieses Erlebnis grub sich tief in das Gedächtnis des Hundes ein. Er verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen und verspielten Hunden bestehe, die ihm wohlgesonnen sind.


Montag, 12. Oktober 2020

Trost

Jetzt, da auf einmal hier in den Niederlanden in der veröffentlichten Meinung Stimmen auf extralaut gestellt werden, die nach einem harten und kompletten Lockdown rufen, wird's mir ganz plumerant.



Teddy hat das mitbekommen und kommt herbeigesaust, um mich zu trösten. 


Erinnerst Du Dich, fragt er, ans Frühjahr, als ich immer im Fenster saß, um mitzuhelfen, dass Kinder sich nicht langweilen?

Das war so eine Aktion im ganzen Land.
Alle Teddys waren aufgerufen, tagsüber hinterm Fenster sich aufzuhalten, damit Kinder, die vielleicht allein oder mit ihren Eltern draußen vorbeiliefen, was zum Suchen und Schauen hatten.

Damals sollten nämlich Kinder möglichst nicht mit einander spielen... und so musste irgendetwas passieren, um ihnen die Langeweile und das Alleinsein zu vertreiben.


Pass auf, sagt er jetzt, ich nehm Dich mit auf Entdeckungsreise. Es haben nämlich damals im Frühling unheimlich viele Teddys mitgemacht!

Manchmal saßen sie ganz tapfer allein auf einer kahlen Fensterbank und warteten auf Kinder, die vor ihrem Haus entlang kamen.

 

Manchmal hatten sie eine Pflanze als Gesellschaft.
So wie ich ja auch :-)
Dieser hier schaut aber trotzdem ein bisschen verloren. Vielleicht ist lange kein Kind mehr vorbeigekommen?


 

 

Wie aufmerksam von den Menschen, die bei diesem Teddy wohnen! Sie haben die Kakteen unter eine Glasglocke gesetzt, so dass Teddy sich nicht an den unangenehmen Stacheln sticht.
Und er schaut ja auch wirklich zufrieden und selbstbewusst in die Welt. Ganz durchdrungen von der Wichtigkeit seiner Aufgabe!





 

Diese drei haben es sich richtig gemütlich gemacht bei Kaffee und Kuchen.
So lässt es sich aushalten.

 

So mit der ganzen, kunterbunten Familie lässt es sich natürlich auch lange aushalten. 

 

 



Hier hat sich hoher Besuch aus historischer Zeit hinzugesellt.
Sherlock Holmes hält mit Ausschau, wo denn all die Kinder bleiben.

Solidarität in der Tierwelt. Lämmchen macht auch mit und setzt sich ins Fenster.
Damit es ihm nicht langweilig wird, hat es sich noch einen zugegebenermaßen etwas steifbeinigen Hasen mitgebracht.

 

 

Auch zusammen mit einem Pferd läasst sich der Tag gut durchbringen.
Manchmal ist es einfach wichtig, jemand zum Knuddeln in der Nähe zu haben. Das muss nicht immer unbedingt ein Teddy sein, findet Teddy.

Finde ich auch. Aber ein Teddy ist ein Teddy ist ein Teddy und eigentlich unersetzlich.


 

 

Und dann schaut er mich mit seinem aller-aller-liebsten Teddy-Charme-Blick an.

 

 

 

War doch schön, oder?
Mach Dich nicht so verrückt mit Deiner Angst! Wir lassen uns schon wieder was einfallen, um Euch Menschen das Herz zu erwärmen, wenn es euch innerlich fröstelt.

Pass auf, ruft er dann, gleich gehts Dir richtig gut!...

 
...um mir dann zum Abschluss noch einmal seinen berühmten Kopfstand vorzuturnen. Mir wird  schwindlig beim bloßen Hinsehen....


Nachmachen! ruft er mir übermütig zu. Kopfunter sieht die Welt nämlich ganz andes aus!


Viel gelesen