Mitte März bis 10. April 2020 täglich. Ab 11. April 2020 erscheinen die Beiträge jeden zweiten Tag. Ab Montag, 22. Juni 2020 immer Montag und Donnerstag abends. Ab Montag, 13. Dezember 2021 am Montagabend nach 22 Uhr.


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Montag, 3. Oktober 2022

Herbstblues

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Sehnsucht nach einem Leben in Freude, Frieden, Licht und Glückseligkeit nimmt in mir in
exponentiellem Maß zu. Das Außen zeigt sich schwerer und schwerer und so dunkel, wie manche der vergangenen Regentage. 

Hier im Lande ist vom Gesundheitsministerium die nächste Runde der Einladungen zum 4., 5., …. 'prik' an jene Menschen herausgegangen, die die Nummern 1, 2 und 3 (4, …) schon mitgemacht haben. Ist alles gespeichert in den Datenbanken der hiesigen Obrigkeit, wer wann und wie viele Nadelstiche erhalten hat. Nachdem man den Sommer über Ruhe hatte, spaltet das Thema erneut Freundschaften und Familien und leiden die einen unter der jeweiligen Entscheidung der anderen.
Genauso reißen innerfreundschaftliche bzw. innerfamiliäre Unterschiede im Standpunkt zu den anderen strittigen, die Medien beherrschenden Themen die Menschen aufs Neue auseinander.

Einer meiner Lieblingsmenschen verlässt die online Begegnungs-Plattform, deren Möglichkeiten mir im vergangenen Winter das Leben enorm erleichtert haben. Ich trauere. Ihm zukünftig dort nicht mehr zu inspirierenden Dialogen begegnen zu können, erfahre ich als echten Verlust. Auch da wird es kahler.

Manchmal möchte ich einfach nur meine Teddies schnappen, mich mit ihnen verkriechen, uns die Decke über den Kopf ziehen und erst wieder herauskommen, wenn dieser ganze, große und schmerzlichen Wandlungsprozess, glücklich vorbei ist, in dem wir momentan stecken.

Keine Option.
Leidergottseidank.

In dieser Stimmung ist mir, erneut im bereits mehrfach erwähnten Buch "Een Ketterse Catechismus" von Hein Stufkens, diesmal auf Seite 111, ein Zitat von Theodore Roszak begegnet. Leider weiß ich nicht, aus welchem Buch, da ich lediglich über eine Fotokopie einiger Kapitel aus Stufkens' Buch verfüge, die wir als Handout für eine Arbeitsgruppe erhalten haben. Darum muss ich dies wiederum selbst aus dem Niederländischen übersetzen.

Auf jeden Fall sind es Gedanken, die mich trösten und mir eine Art und Weise in die Hand geben, wie ich mit diesen schwer wiegenden Unterschieden zwischen Herzensmenschen umgehen kann.

"Wir begegnen einander als Fremde, jeder mit seinem eigenen Geheimnis.
Ich kann Dir nicht sagen, wer Du bist; vielleicht lerne ich Dich niemals ganz und gar kennen.
Aber ich vertraue darau, dass Du Kraft Deiner selbst eine Person bist,
erfüllt von einer Schönheit und einem Wert, die die reichsten Ressourcen dieser Welt sind.

Also gelobe ich Dir dies:
ich werde Dir keine Identitäten auferlegen,
sondern Dich einladen, ohne Scham und Furcht ganz Du selbst zu werden.
Ich werde Dein Recht verteidigen, Deine authentische Bestimmung zu finden.
So lang Deine Suche auch dauern mag, ich werde loyal mit Dir sein."


 

Montag, 15. August 2022

Hitzefrei

... Es ist nicht zu fassen …. der ganze Montag und der Montagabend sind vorbeigegangen, und ich habe keinen Blog geschrieben. Ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass noch ein Text darauf gewartet hat, geschrieben zu werden. Ich war einfach absolut k.o. von der stehenden Hitze, draußen und im Haus. Beschäftigt damit, einfach den Tag durchzukommen.

Etwas in mir hat sich hitzefrei genommen.
Aber vielleicht geht das ja der einen oder dem anderen von Euch auch so? Dass alles in einem schreit: Pause! Erholung! Abkühlung!

Ich selbst habe vor lauter Hitzestress - mein Körper verträgt diese Temperaturen, vor allem die Wärme im Haus, überhaupt nicht mehr gut - heute auch vergessen, dass ich mit meiner besten Freundin aus Gymnasialzeiten eine Verabredung zum Telefonieren hatte. Erst ihre besorgte Whatsapp-Nachricht, ob bei mir alles o.k. sei, weil ich mich nicht gemeldet hatte, erinnerte mich.

Ihr habe ich gemeinsam mit meiner Bitte um Verzeihung geschrieben:
"Die Hitze hat mir das Hirn vernebelt."

 

 

Und so bitte ich auch Euch,
geschätzte Leserinnen und Leser,
um Verständnis, dass es für heute bei diesem Nicht-Text bleibt. 

Und hoffe, träume, bitte für uns alle, dass bald Abkühlung kommen möge!
Und Regen! So viel Regen, dass alles sich erholen kann.




Montag, 8. August 2022

Tapetenwechsel

Deichvorland in der Nähe von Termunten beim Gemal Fiemel
Man soll sich ja bemühen, trotz aller schaurigen Nachrichten – an denen in unseren Tagen kein Mangel herrscht: Kriegstreiberei allüberall; die Aussicht auf einen kalten und dunklen, Strom- und Gas-reduzierten Winter; eine Inflation, die die Menschen in die Verzweiflung und einige Großkonzerne in schwindelerregende Gewinnzonen treibt – immer das Positive im Blick zu behalten.
Fällt mir nicht leicht. Das gebe ich unumwunden zu. Manchmal überfällt mich die komplette Panik bezüglich der Zukunft, denn mir fehlt zum Selbstversorgerdasein sowohl das Know How als auch - und vielleicht vor allem - die Kraft. Nur fürchte ich, irgendwann werden wir alle müssen.

Gestern war wieder so ein Tag, an dem an dem ich im Weltschmerz hätte ertrinken können.

Glücklicherweise fiel mir noch gerade rechtzeitig ein, dass wir ja gar nicht so weit weg vom Dollart, der bereits zum Wattenmeer zählenden Emsmündung wohnen. Der Gedanke an Seeluft, Deichspaziergang, Weite und – Seehunde ließ mich träumen.

Vor drei Jahren an gleicher Stelle bei Hochwasser aufgenomen

Nachmittags konnte der Traum Wahrheit werden.
Wir machten uns auf den Weg in Richtung des eine gute halbe Autostunde entfernten Termunten, wo in einem Außengebiet hinterm Deich ein wunderschönes Naturschutzgebiet entstanden ist, in dem Tausende Wasservögel sich tummeln, der Polder Breebart. Und oben auf dem Deich stehend kann man Seehunde beobachten. Durch die Gezeitenströme hat sich an dieser Stelle das Watt so entwickelt, dass bei auflaufender Flut die Seehunde kommen und sich dort auf Sandbänken niederlassen zum Ausruhen. Weibliche Seehunde ziehen sich dorthin auch zurück, um ihren Nachwuchs zu gebären. Damit die Tiere nicht gestört werden, ist der Deich im Umkreis dieser Stelle nicht ganz frei zugänglich. Eine Bretterwand  wurde aufgestellt, Zeehondenkijkwand genannt, mit Gucklöchern, in verschiedener Höhe angebracht und verschieden groß, damit man auch fotografieren kann, hinter der große und kleine, junge und alte Menschen die Tiere beobachten können und diese doch ungestört bleiben.

Man erreicht diese Stelle nach einem kleinen Spaziergang von 10 bis 15 Minuten durch den Polder.
Leider hatte ich nicht an meinen Fotoapparat gedacht, so dass die Fotos nur Handy-Qualität haben.

Trotzdem lasse ich Euch gerne an diesem Spaziergang teilhaben.
Es war ein so schöner Nachmittag, der mich mit vielem zumindest zeitweise versöhnt hat. 


 

 

 

Unterwegs durch die weite Landschaft im Nordosten der Provinz Groningen an einem Sommertag, der schöner nicht hätte sein können. Angenehme 21 Grad, ein angenehmer Wind, klare Luft und Wolken wie gemalt.




 
 
Angekommen beim Besucherzentrum am Punt van Reide noch einmal ein genießerischer Blick ins weite Land, mit der Gewissheit, den Deich im Rücken habend in wenigen Minuten aufs Meer, oder zumindest die Emsmündung schauen zu können.







Vor uns liegt der bequem zu gehende Weg durch den Polder zum Deich.
Die Sonne stach trotz der angenehmen Temperatur, und ich bereute es, meinen Strohhut zuhause vergessen zu haben.




Rechts vom Betrachter liegt der Deich. Links ein Teil der gigantischen Wasserfläche, die zum Naturschutzgebiet gehört.
Die Besonderheit ist, dass dieses Gewässer mittels eines Deichdurchgangs an die Gezeiten angekoppelt ist, wodurch bedrohte Seevögel einen geschützten Lebensraum erhalten haben.



Und das ist sie also, die kleine Bucht mit rechts und links den Sandbänken, auf denen sich die Seehunde niederlassen. Sie gehören übrigens zur gleichen Population, die auch auf einer zu Fuß erreichbaren Sandbank im Nordwesten der Insel Borkum eine geliebten Ruheplatz hat.
 
 
 
 
 
 
Es ist nun gut drei Stunden nach Niedrigwasser, und immer mehr Seehunde kommen mit der Flut angeschwommen. Die zwei schwarzen Punkte im Wasser auf dem Foto rechts sind die Köpfen von sich nähernden Seehunden, die offenbar so schnell schwimmen, dass sie eine sichtbare Kielwelle erzeugen.



 
 
 
 
Und noch drei, die eilig heranschwimmen.




Landgang....





zwischengeschmuggeltes Foto aus 2019

... und entspannen!


...noch mehr! noch tiefer!... ent-spannen!






Dann heißt es allmählich Abschied nehmen.
Blick zurück Richtung Seehunde von entfernteren Deichabschnitt aus.



An der gleichen Stelle vom Deich aus in die andere Richtung geschaut zum Polder Breebart.





 

 

 

Vorbei an der Idylle mit Schafen gehts zurück zum Parkplatz.
Im Hintergrund die dunkler grüne Linie ist übrigens der Deich - für die tiefen Binnenländer unter Euch 😃




Und fürs Fernweh, Inselheimweh .... hier noch ein Seehunde-Foto aus meinem Borkumurlaub im Glutsommer 2018, aufgenommen bei Hochwasser (dem höchsten Wasserstand der Flut, bevor die Ebbe einsetzt).



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