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Schon sind zehn
Tage des ersten Monats in diesem Jahr 2022 vergangen. Mehr oder weniger rannen
sie mir durch die Finger, und an manchen Abenden wusste ich gar nicht,
wieso schon wieder ein Tag vorbei war. Ohne besonders viel Termine oder
andere Verpflichtungen war da doch das Erleben, dass die Zeit
rast.
Unter anderem
hatte das damit zu tun, dass ich unverse-hens in einen unerwarteten Konflikt
geraten war und mich immer und immer wieder dabei ertappte, dass ich gedanklich
und in ununterbrochenem Probehandeln mit der Sache befasst war. Immer und immer
wieder drehte sich alles in mir um diese Geschichte, der Blutdruck stieg in ungeahnte Höhen, ich war konstant mit den
handelnden Personen und Deutungen der sprunghaft-unerwarteten Reaktionen beschäftigt.
Das fraß enorm viel Energie, und folgerichtig hatte ich ein großes Bedürfnis
nach Ruhe und Träumen, schmökernd lesen und ausgedehntem Mittagsschlaf. Meditation half wenig, ich konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. So gingen die Tage dahin.
Eine typische
Geschichte.
Meine innere Stimme hatte mich von Anfang an gewarnt, mich auf die
Sache einzulassen. Aber irgendein anerzogener Gedankenimpuls, etwas in dem Sinn
von: "ach, da kannst Du doch helfend einspringen, stell Dich nicht so an! vielleicht täuschst Du Dich
ja mit Deiner gefühlsmäßigen Einschätzung von Situation und Personen" ließ
mich dann doch zusagen.
Das Dumme war, es ging eben nicht um eine gefühlsmäßige
Einschätzung. Sondern um eine intuitive. Und die war sowas von
zutreffend, da schlackern mir noch jetzt die Ohren.
"Folge
Deinem ersten Gedanken" war eine Devise, die meine – mit meinem heutigen
Wissen würde ich sagen hochsensible und auf natürliche
Weise spirituelle – Mutter immer wieder mal äußerte. Wie sehr sie selbst ihr in
ihrem Leben gefolgt ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls ist diese Devise
eine wunderbar praktische Formulierung der Aufforderung, sich auf die eigene
Intuition zu verlassen.
Quod erat
demonstrandum.
Auch der heutige
Tag, Tag 1 nach der definitiven Beendigung des Konfliktes auch in mir, ging so
dahin, ohne viel Raum für echte Lebendigkeit zu lassen. Im Grunde war er ein
einziges Herumhängen in einem Warteraum.
Hier in der Provinz Groningen gibt es an vielen
Gebäuden teils enorme Schäden durch Bodenabsenkungen, bzw. Erdbeben als Folge
der jahrzehntelangen Gasgewinnung. Bis vor zwei Jahren wurde hier in enorm viel Gas aus dem Boden geholt. 1959 entdeckt, begann die Ausbeutung des
Groningen-Gasfeldes Anfang der 60er Jahre. Inzwischen sind – für Eigengebrauch
in den Niederlanden und für Exportzwecke – insgesamt mehr als
2000 Milliarden cbm Erdgas gefördert worden. Der Gewinn für die Staatskasse beläuft sich
zusammengenommen auf beinahe 417 Mrd €
Über die Behebung der Schäden und die Zurückgabe wenigstens eines Teils der
enormen Gewinne an die dupierte Bevölkerung Groningens wurde und wird noch
immer seit mehr als zehn Jahren gestritten. Groningen gehört – neben Limburg,
interessanterweise die Provinz, in der früher Kohle gefördert wurde – zu den
ärmsten Provinzen der Niederlande. In den letzten Jahren, nachdem die
Groninger sich immer heftiger begonnen zu wehren, wurde der Schaden und die Verantwortlichkeit
des Staates immer mehr anerkannt und werden allerlei Programme bedacht, um
Schaden
zu vergüten. Aktuell gibt es einen Topf von nicht ganz 221 Millionen € um
Hauseigentümer zu unterstützen, die aus Unsicherheit über Schadensersatz für
Gasbebenschäden Unterhalt an ihrem Haus auf die lange Bank geschoben haben. Man
kann für z.B. Energiesparmaßnahmen, aber auch aufgeschobene
Renovierungsarbeiten bis zu 10.000 pro Haus beantragen. Der Topf wurde heute
freigegeben. Digital konnte man sich ab 9:00 Uhr einloggen, um einen Antrag zu stellen. Dabei wurde ein elektronisches
Warteschlangensystem benutzt. Direkt nach 9 Uhr waren mehr als 50.000 Wartende
in dieser Warteschlange, die offenbar ähnlich funktioniert wie Buchungssysteme
für z.B. große Popkonzerte.
Wir fallen unter die Kategorie der
Zuschussberechtigten, bei uns muss dringend das eine oder andere gemalert
werden, und der Beschluss über den Schadensersatz aus Erdbebenschäden (verschiedene
kleine und größere Risse, aber nix Gefährliches) lässt noch auf sich warten. Direkt
nach dem Öffnen des "Digitalen Antragstellungsschalters" bekamen wir
eine Position an Stelle 11.479 zugewiesen; wie ich jetzt weiß, war das noch gar
nicht mal SO schlecht. Ab dann hieß es, den Computer beobachten. Denn ab dem
Moment, ab dem man 'dran' war, hatte man genau 15 Minuten Zeit, um sich
tatsächlich beim Schalter einzuloggen.
Den Rest des
Tages brachten wir dann mit abwechselndem, regelmäßigem Beobachten des
Bildschirms zu. Alle Stromsparoptionen des Laptop waren ausgestellt, und auch
den Batterieladestand überwachten wir ständig, denn es durfte um Himmels Willen
nicht passieren, dass der Computer sich selbst aus Strommangel herunterfuhr. Denn dann hätte man sich erneut hinten einreihen müssen.
Um viertel nach
drei am frühen Nachmittag, nach also mehr als 6 Stunden warten, durften wir uns
endlich einloggen und unseren Antrag stellen. Dies war in weniger als fünf Minuten
erledigt.
Der Screenshot ist gegen 10
Uhr entstanden, an dem Blau im Balken unter der Zahl lässt sich
erkennen, wie viel Wartezeit man schon hinter sich hat von dem, was in Grau noch vor einem liegt:

Schon gegen
Mittag war der Topf zu 25% aufgebraucht durch digitale Anfragen, und man geht
davon aus, dass spätestens um Mitternacht digital so viele Anfragen gestellt
wurden, dass rechnerisch der Topf leer ist. Da auch noch an 5 Orten Menschen
ihre ausgedruckten Anträge vor Ort einreichen konnten, zum Teil dort
stundenlang in der Kälte in langen Schlangen warteten (gottseidank braucht man
hier im Freien keine Maske, auch nicht in einer Warteschlange!), gleicht es ein
bisschen einer Lotterie, ob man noch was abbekommt vom Zuschuss oder nicht.
Denn die Verteilung geschieht in der Reihenfolge des Eingangs nach dem Motto
"Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Im Land der Windmühlen offenbar ein
naheliegendes Prinzip.
Uff! als wir das
hinter uns hatten, konnte der Rest vom Tag beginnen.
Nach all dem ist
es dringend Zeit, sich mit etwas Aufbauendem zu befassen. Und so schließe ich mit berührenden
Neujahrswünschen und -gedanken, die eine Freundin mir weitergeleitet hat. Sie
hat sie von ihrem Biodanza-Kreis-Leiter bekommen.
WAS ICH MIR
WÜNSCHE
Was ich mir
wünsche ist, dass die Menschheit sich das Wunder des Lebens bewusst macht, denn
sobald wir uns des Wunders des Lebens bewusst sind, tragen wir von Natur aus
Fürsorge für alles um uns herum, weil wir verstehen, dass alles Leben
einzigartig ist.
Wir können
nichts tun, ohne dabei alles andere zu berühren. An dem Tag, an dem wir
verstehen, dass
wir alle miteinander verbunden sind, dass wir, wenn wir etwas
berühren, alles berühren, an dem Tag, an dem wir dies verkörpern und
verinnerlichen, an diesem Tag werden wir auf die Weisheit der Menschheit
anstoßen.
Die Weisen
sagen, dass Erleuchtung - was ist Erleuchtung? – bedeutet, das Wunder des
Lebens zu verstehen, dass Erleuchtung uns dann erreicht, wenn der Tropfen
erkennt, dass er der Ozean ist. Darauf kommt es an: Dass wir erkennen, dass wir
der Ozean des Lebens sind!
Lasst uns auf
das Wunder des Lebens anstoßen! Und mögen wir jeden Morgen im Aufwachen
erkennen, dass wir lebendig sind!