Mitte März bis 10. April 2020 täglich. Ab 11. April 2020 erscheinen die Beiträge jeden zweiten Tag. Ab Montag, 22. Juni 2020 immer Montag und Donnerstag abends. Ab Montag, 13. Dezember 2021 am Montagabend nach 22 Uhr.


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Montag, 18. April 2022

Ostergruß ?

 

 

 

 

 


Das zweite Osterfest nach dem Ende unseres einstmals gewohnten Lebens.
Es ist traumhaftes Wetter: Sonne und ein klarer, blauer, bis auf die seit letztem Jahr offenbar unvermeidlichen, ständig anwesenden Schleierwolken wolkenloser Himmel. Menschen gehen nach draußen, Nachbarn werkeln in ihren Gärten herum, und endlich, endlich höre ich auch wieder begeistertes, fröhliches Kinderjuchzen, Rufen, Lachen im Garten nebenan, das das ausgelassene Spiel mit dem Papa begleitet.
Wie habe ich das vermisst!

Vorgestern noch war es so richtig Karsamstag.
Eine Stille lag über dem Dorf, die ich so sonst nie erlebe. Eine andere Stille als jene am Morgen des 1. Januar, die mich auch so beeindruckt hat. Und das, obwohl Läden normal geöffnet waren, also bis abends um 7 oder 8. Die Atmosphäre fühlte sich wirklich an wie die Stille der "Grabesruhe des Herrn", über die ich vor Jahrzehnten einmal eine großartige Predigt des beeindruckenden Pastoraltheologen Rolf Zerfaß
*) gehört habe.

Es war, als ob in dieser ganz und gar säkularen Welt, in dieser besonders nüchternen, noch nie sehr kirchlich gewesenen Region der Niederlande, dennoch etwas in den Menschen die Besonderheit dieses Vorgangs spürt. Die Besonderheit dieser Tage der Erinnerung an unsere Sterblichkeit, an die Stille der Zwischen-Zeit, in der die Seele alles mögliche erlebt und erfährt bevor sie sich dann auf den weiteren Weg des Lebens macht.

Am Ostersonntag dann die – wie ich annehme, ebenso unbewusst erlebte – überschäumende Lebendigkeit des neuen Lebens. Die nun auch in der Natur wieder zu sehen ist. In den letzten beiden Tagen, in denen es allmählich wärmer und mehr Sonnenschein uns geschenkt wurde, hat fast die sprichwörtliche Explosion des Grüns an den Bäumen stattgefunden. Plötzlich ist überall im Pärkchen an den noch eben kahlen Ästen ganz deutlich Grün zu erkennen. Ich merke, wie ich dadurch ganz anders aufatme: das Leben ist zurück.

Gleichzeitig wird mir mit jedem Jahr deutlicher bewusst, wie kurz im Jahr eigentlich diese Periode der belaubten Bäume und ihn ihrer übersprudelnden Lebendigkeit intensiv wahrnehmbaren Natur ist. Beinahe fünf Monate müssen wir in diesen Breiten mit den kahlen Ästen leben. Das erinnert mich an eine Aussage, die meine Mutter einmal gemacht hat, als sie wohl etwa in meinem heutigen Alter war: dass sie nämlich den Herbst eine schreckliche Jahreszeit fand. Diese Absterben und Fallen der Blätter, dieses Kahlwerden der Bäume machten sie traurig und vielleicht auch ängstlich, heute (in der Zeit der Etikettierung normal im Leben vorkommender Gefühlszustände als 'krankhaft') würde man das depressiv nennen.

Hat das mit dem Älterwerden zu tun? Mit der Tatsache, dass die Unausweichlichkeit des Todes immer mehr ins Bewusstsein sich drängt? – Vielleicht gehe ich dem irgendwann anders mal nach.


Jetzt aber – ist erst einmal das Leben zurück. Im Garten gehen die Tulpenblüten auf, die Hyazinthen blühen so schön wie noch nie, an den unmöglichsten Stellen zwischen den Terrassenplatten keimen Sonnenblumen und Getreidehalme von Vogelfutter, das die Gefiederten auf dem Rückweg vom Futterhäuschen haben fallen lassen,


 

 

und die Teddies

machen Unsinn.                                                      

Und ich fühle wie noch nie eine Sehnsucht nach dem Leben, das ich bis Januar 2020 geführt habe. Wie viel haben wir alle doch seitdem verloren! Nein, ich werde das jetzt nicht alles benennen. Das tun andere, warnende Stimmen sowieso täglich.
Aber die wiederholte Erkenntnis, dass das meiste davon nie wieder zurückkommen wird, haut mich jetzt erst einmal um wie ein schwerer Faustschlag. Wie gerne würde ich mich zurückbeamen in jenes Jahr 2019 und es nie, nie verlassen!...

Niemand von uns weiß, was statt dessen kommen wird. Das, was es dazu an Veröffentlichungen gibt, allen voran das Buch von Klaus Schwab "COVID 19 - Der Große Umbruch" (gelegentlich verglichen mit dem Werk eines Autors mit Oberlippenbärtchen, das 1925/26 erstmals erschien und später in jedem deutschen Bücherschrank zu stehen hatte), lässt nichts Gutes vermuten.

Vielleicht ist diese Stimmung der richtige Moment, um die Vision eines menschenfreundlichen Zusammenlebens zu teilen, die Neale Donald Walsch  in seinem 2011 geschriebenen Buch "Der Sturm vor der Ruhe – Gespräche mit der Menschheit" aufgeschrieben hat (S. 242/43):

 "Was mich betrifft, so hoffe ich bei unserer neuen Geschichte auf diese Resultate:

1.      Akzeptanz der wahren Identität aller Menschen als Aspekte und individualiserter Ausdruck des Göttlichen

2.      Dass immer mehr Menschen – Millionen, so hoffe ich – das Einssein allen Lebens und der Menschheit erkennen.

3.      Ein Wissen darüber, warum wir hier auf der Erde sind; Klarheit über die Agenda der Seele.

4.      Beseitigung von entwürdigender Armut, Hunger und der massenhaften Ausbeutung von Menschen und Ressourcen durch die Mächtien in wirtschaft und/oder Politik.

5.      Beendigung der Systematischen Umweltzerstörung auf dem Planeten.

6.      Beendigung der kulturellen Dominanz eines Wirtschaftssystems, das auf Konkurrenz statt auf Kooperation beruht und nach ständigem Wirtschaftswachstum stebt.

7.    Beendigung des endlosen Kampfes um Größer/Besser/Mehr.

8.      Aufhebung aller Einschränkungen und Diskriminierungen, die Menschen an ihrer Entfaltung hindern – sei es zu Hause, am Arbeitsplatz … oder im Bett.

9.      Die Möglichkeit für alle Menschen, in wahrer Gleichberechtigung ihre höchste Form des Selbstausdrucks zu erreichen.

10.   Die Verwirklicheung gesellschaftlicher Veränderungen nicht als sozialpolitische Maßnahme, sondern als lebendige Vor-Ort-Demonstrationen dessen, was wir als Spezies wirklich sind.





Ja!

 

 

 

 

*) wie ich gerade gelesen habe, starb Rolf Zerfaß am 31. März im Alter von 87 Jahren.
Das berührt mich sehr und macht mich traurig.

Montag, 10. Januar 2022

Unruhige Tage

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Schon sind zehn Tage des ersten Monats in diesem Jahr 2022 vergangen. Mehr oder weniger rannen sie mir durch die Finger, und an manchen Abenden wusste ich gar nicht, wieso schon wieder ein Tag vorbei war. Ohne besonders viel Termine oder andere Verpflichtungen war da doch das Erleben, dass die Zeit rast.

Unter anderem hatte das damit zu tun, dass ich unverse-hens in einen unerwarteten Konflikt geraten war und mich immer und immer wieder dabei ertappte, dass ich gedanklich und in ununterbrochenem Probehandeln mit der Sache befasst war. Immer und immer wieder drehte sich alles in mir um diese Geschichte, der Blutdruck stieg in ungeahnte Höhen, ich war konstant mit den handelnden Personen und Deutungen der sprunghaft-unerwarteten Reaktionen beschäftigt. Das fraß enorm viel Energie, und folgerichtig hatte ich ein großes Bedürfnis nach Ruhe und Träumen, schmökernd lesen und ausgedehntem Mittagsschlaf. Meditation half wenig, ich konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. So gingen die Tage dahin.

Eine typische Geschichte.
Meine innere Stimme hatte mich von Anfang an gewarnt, mich auf die Sache einzulassen. Aber irgendein anerzogener Gedankenimpuls, etwas in dem Sinn von: "ach, da kannst Du doch helfend einspringen, stell Dich nicht so an! vielleicht täuschst Du Dich ja mit Deiner gefühlsmäßigen Einschätzung von Situation und Personen" ließ mich dann doch zusagen. 

Das Dumme war, es ging eben nicht um eine gefühlsmäßige Einschätzung. Sondern um eine intuitive. Und die war sowas von zutreffend, da schlackern mir noch jetzt die Ohren.

"Folge Deinem ersten Gedanken" war eine Devise, die meine – mit meinem heutigen Wissen würde ich sagen hochsensible und  auf  natürliche Weise spirituelle – Mutter immer wieder mal äußerte. Wie sehr sie selbst ihr in ihrem Leben gefolgt ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls ist diese Devise eine wunderbar praktische Formulierung der Aufforderung, sich auf die eigene Intuition zu verlassen.

Quod erat demonstrandum.

Auch der heutige Tag, Tag 1 nach der definitiven Beendigung des Konfliktes auch in mir, ging so dahin, ohne viel Raum für echte Lebendigkeit zu lassen. Im Grunde war er ein einziges Herumhängen in einem Warteraum. 

Hier in der Provinz Groningen gibt es an vielen Gebäuden teils enorme Schäden durch Bodenabsenkungen, bzw. Erdbeben als Folge der jahrzehntelangen Gasgewinnung. Bis vor zwei Jahren wurde hier in enorm viel Gas aus dem Boden geholt. 1959 entdeckt, begann die Ausbeutung des Groningen-Gasfeldes Anfang der 60er Jahre. Inzwischen sind – für Eigengebrauch in den Niederlanden und für Exportzwecke – insgesamt mehr als 2000 Milliarden cbm Erdgas gefördert worden. Der Gewinn für die Staatskasse beläuft sich zusammengenommen auf beinahe 417 Mrd €  


Über die Behebung der Schäden und die Zurückgabe wenigstens eines Teils der enormen Gewinne an die dupierte Bevölkerung Groningens wurde und wird noch immer seit mehr als zehn Jahren gestritten. Groningen gehört – neben Limburg, interessanterweise die Provinz, in der früher Kohle gefördert wurde – zu den ärmsten Provinzen der Niederlande. In den letzten Jahren, nachdem die Groninger sich immer heftiger begonnen zu wehren, wurde der Schaden und die Verantwortlichkeit des Staates immer mehr anerkannt und werden allerlei Programme bedacht, um Schaden zu vergüten. Aktuell gibt es einen Topf von nicht ganz 221 Millionen € um Hauseigentümer zu unterstützen, die aus Unsicherheit über Schadensersatz für Gasbebenschäden Unterhalt an ihrem Haus auf die lange Bank geschoben haben. Man kann für z.B. Energiesparmaßnahmen, aber auch aufgeschobene Renovierungsarbeiten bis zu 10.000 pro Haus beantragen. Der Topf wurde heute freigegeben. Digital konnte man sich ab 9:00 Uhr einloggen, um einen Antrag zu stellen. Dabei wurde ein elektronisches Warteschlangensystem benutzt. Direkt nach 9 Uhr waren mehr als 50.000 Wartende in dieser Warteschlange, die offenbar ähnlich funktioniert wie Buchungssysteme für z.B. große Popkonzerte. 

Wir fallen unter die Kategorie der Zuschussberechtigten, bei uns muss dringend das eine oder andere gemalert werden, und der Beschluss über den Schadensersatz aus Erdbebenschäden (verschiedene kleine und größere Risse, aber nix Gefährliches) lässt noch auf sich warten. Direkt nach dem Öffnen des "Digitalen Antragstellungsschalters" bekamen wir eine Position an Stelle 11.479 zugewiesen; wie ich jetzt weiß, war das noch gar nicht mal SO schlecht. Ab dann hieß es, den Computer beobachten. Denn ab dem Moment, ab dem man 'dran' war, hatte man genau 15 Minuten Zeit, um sich tatsächlich beim Schalter einzuloggen.

Den Rest des Tages brachten wir dann mit abwechselndem, regelmäßigem Beobachten des Bildschirms zu. Alle Stromsparoptionen des Laptop waren ausgestellt, und auch den Batterieladestand überwachten wir ständig, denn es durfte um Himmels Willen nicht passieren, dass der Computer sich selbst aus Strommangel herunterfuhr. Denn dann hätte man sich erneut hinten einreihen müssen.

Um viertel nach drei am frühen Nachmittag, nach also mehr als 6 Stunden warten, durften wir uns endlich einloggen und unseren Antrag stellen. Dies war in weniger als fünf Minuten erledigt.
Der Screenshot ist gegen 10 Uhr entstanden, an dem Blau im Balken unter der Zahl lässt sich erkennen, wie viel Wartezeit man schon hinter sich hat von dem, was in Grau noch vor einem liegt:

 

Schon gegen Mittag war der Topf zu 25% aufgebraucht durch digitale Anfragen, und man geht davon aus, dass spätestens um Mitternacht digital so viele Anfragen gestellt wurden, dass rechnerisch der Topf leer ist. Da auch noch an 5 Orten Menschen ihre ausgedruckten Anträge vor Ort einreichen konnten, zum Teil dort stundenlang in der Kälte in langen Schlangen warteten (gottseidank braucht man hier im Freien keine Maske, auch nicht in einer Warteschlange!), gleicht es ein bisschen einer Lotterie, ob man noch was abbekommt vom Zuschuss oder nicht. Denn die Verteilung geschieht in der Reihenfolge des Eingangs nach dem Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Im Land der Windmühlen offenbar ein naheliegendes Prinzip.

Uff! als wir das hinter uns hatten, konnte der Rest vom Tag beginnen.

Nach all dem ist es dringend Zeit, sich mit etwas Aufbauendem zu befassen. Und so schließe ich mit berührenden Neujahrswünschen und -gedanken, die eine Freundin mir weitergeleitet hat. Sie hat sie von ihrem Biodanza-Kreis-Leiter bekommen.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Was ich mir wünsche ist, dass die Menschheit sich das Wunder des Lebens bewusst macht, denn sobald wir uns des Wunders des Lebens bewusst sind, tragen wir von Natur aus Fürsorge für alles um uns herum, weil wir verstehen, dass alles Leben einzigartig ist.

Wir können nichts tun, ohne dabei alles andere zu berühren. An dem Tag, an dem wir verstehen, dass wir alle miteinander verbunden sind, dass wir, wenn wir etwas berühren, alles berühren, an dem Tag, an dem wir dies verkörpern und verinnerlichen, an diesem Tag werden wir auf die Weisheit der Menschheit anstoßen.

Die Weisen sagen, dass Erleuchtung - was ist Erleuchtung? – bedeutet, das Wunder des Lebens zu verstehen, dass Erleuchtung uns dann erreicht, wenn der Tropfen erkennt, dass er der Ozean ist. Darauf kommt es an: Dass wir erkennen, dass wir der Ozean des Lebens sind!

Lasst uns auf das Wunder des Lebens anstoßen! Und mögen wir jeden Morgen im Aufwachen erkennen, dass wir lebendig sind!

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