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Montag, 23. August 2021

Wertezerfall

Reliefskulptur am Landgerichtsgebäude in Frankfurt am Main
Kürzlich schrieb eine meiner Freundinnen in einem Brief, in dem sie über das sinnierte, was aktuell in beinahe allen parlamentarisch-demokratischen Ländern passiert:

"Wo sind all unsere so hoch gepriesenen Werte wie Integrität meines Körpers, Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Elternrecht ... geblieben, wo? Alle  übern Haufen geworfen weil die Regierung es sagt, und das schneller als die Polizei erlaubt!"

Genau so schnell, wie die Regierenden es wollen. Kaum Stimmen einer parlamentarischen Opposition, die dagegen protestieren. Es ist mir noch immer ein Rätsel, wo all die kritischen Denker – mindestens bei den Grünen, die doch ihre Wurzeln in der Außerparlamentarischen Opposition haben, die nichts so sehr auf ihre Fahnen geschrieben hatte wie Freiheit und Menschenrechte – geblieben sind.

Ich erinnere mich an mich als kleines Dötzchen, das in der vierten oder fünften Klasse in Sozialkunde erstmals vom Grundgesetz hörte. Davon hörte, wie besonders eine solche Verfassung sei und wie gut geschützt vor gesetzlicher oder polizeilicher Willkür die Menschen in der Bundesrepublik durch die unveräußerlichen Grundrechte seien. Dass man aus der Geschichte gelernt habe: so etwas wie die Rechtlosigkeit und Gewaltherrschaft des Dritten Reiches dürfe und könne nie wieder vorkommen. Dafür hätten die Väter des Grundgesetzes gesorgt. Mit aufgesperrten Ohren lauschte ich, und mit begeistertem Herzen nahm ich das Lehrbuch mit dem Deutschen Grundgesetz und der Hessischen Verfassung mit nach Hause. Wahrscheinlich erzählte ich stolz von dem, was ich gelernt hatte und wie gut es uns in der Bundesrepublik mit einem solchen Grundgesetz gehe.

Über die unveräußerlichen Menschenrechte ging auch später im Gymnasium noch so manche Unterrichtsstunde, in Geschichte – in Abgrenzung zum Dritten Reich und zu den Diktaturen des Warschauer Paktes -, in Gemeinschaftskunde – in Auseinandersetzung mit allerlei Philosophien des 18. Jahrhunderts. Undsoweiter.


Als wir die Schule verließen, war das Vertrauen in die Rechtssicherheit, vor allem in die unverbrüchlich immerwährende Gültigkeit der Grundrechte, die schwerer wögen als jedes andere Recht, tief in unsere Köpfe, Seelen und Herzen gepflanzt. Jedenfalls bei den meisten von uns.

Offenbar aber, so lernen wir jetzt gerade alle, war das trotz all der Anstrengung hunderttausender Lehr-Körper bei vielen nicht wirklich verwurzelt.
Mit ein paar, von Mal zu Mal stärker eingreifenden Gesetzesänderungen ist dies alles wegradiert. Zählt nicht mehr. Nicht mehr die Grundrechte sind das höchst stehende Recht. Sondern ein Infektionsschutzgesetz.

Was das bis in kleinste Verästelungen hinein für auch atmosphärische Folgen hat, habe ich schmerzlich heute im Telefongespräch mit einem guten Freund erfahren. Es geht mir noch sehr nach.

Seine Frau liegt seit sieben Wochen in einer deutschen Großstadt in der Klinik (hat nix mit C zu tun), und die Behandlung wird sich noch lange hinziehen. Besuche sind dort sowieso nur Leuten erlaubt, die durchgeimpft sind. Seit heute müssen sie auch noch einen negativen Schnelltest nachweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Maskenpflicht herrscht sowieso. Mein Freund, fast 80, hat in dieser Klinik ein kafkaeskes Erlebnis nach dem anderen. Vor ein paar Tagen, da war es gerade superwarm, stand er am frühen Nachmittag in der Einlass-Schlange vor dem Krankenhaus. Für 15 Uhr hatte er sich seiner Frau angekündigt, kurz nach 14:30 war er angekommen. Etwa 25 Leute vor ihm in der Schlange. Eine Wachfrau, die Einlasskontrolle machte. Nach minutenlangem Wachten, etwa 8 Positionen war er schon vorgerückt, erfuhren plötzlich alle, dass sie erst ein Formular ausfüllen mussten. Run auf die Formulare, es gab wohl Tische, wo man sie ausfüllen konnte, und dann mit Formular wieder neu anstellen. 'Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied' bedeutete hier: nicht etwa dass alle wieder dieselben Plätze in der Schlange eingenommen hätten wie vorher, wer sich vorschieben konnte, schob sich vor… und so hieß es für ihn, nicht mehr so superschnell zu Fuß, erneut in langer Schlange in der Hitze schmoren.

Angekommen bei der ca. 20-jährigen Sicherheitsfrau, zeigte er den verlangten Impf- und Testnachweis auf seinem Handy vor. Dann sollte er seinen Personalausweis zeigen. – Dumm, den hatte er, mit dem E-Bike gekommen und daher ohne Brieftasche, nicht dabei. Aber er hatte ein Foto auf dem Handy vom Ausweis. Froh zeigte er es vor. Antwort des jungen Huhns: Das könne sie nicht anerkennen. Das Handy hätte er ja gefunden haben können. Er: "Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich mit meinen 80 Jahren …." – Na, dann wolle sie mal gnädig sein und diese Personalausweiskopie auf dem Handy akzeptieren.

Aber, triumphierte sie, sie würde ihn trotzdem nicht reinlassen. Er habe nämlich keine FFP2-Maske auf, sondern nur eine OP-Maske. Und sie ließe ihn nur mit FFP2-Maske rein. Er verwies auf die hinter der Frau auf der Tür klebenden Schilder, die sagten: Zugang mit FFP2- oder OP-Maske.

Das wäre ihr egal, so die Frau vom Sicherheitsdienst, sie hätte das Schild nicht geschrieben. Er solle sich gefälligst in der Apotheke eine FFP2-Maske kaufen und dann wiederkommen.
Also machte er sich auf zur Apotheke, die ein paar Minuten entfernt am anderen Ende der Klinik sich befindet. Kaufte die FFP2-Maske. Dackelte zurück. Durfte sich erneut in der Hitze anstellen.

Eineinhalb Stunden nach seiner Ankunft am Krankenhaus und eine Stunde nach der verabredeten Zeit konnte er dann endlich um 16 Uhr seine Frau in ihrem Krankenzimmer begrüßen.

Keine Person in der Warteschlange, die für ihn Partei ergriffen hätte. Niemand, der ihn nach der Rückkehr aus der Apotheke vorgelassen hätte. Einen 80-jährigen, deutlich nicht gut zu Fuß seienden Mann….

Eigentlich bin ich noch immer fassungslos. Mal abgesehen von der an sich schon unmenschlichen Regelung für den Krankenhausbesuch ....  [Hier in dern Niederlanden braucht man nur eine medizinische Mundnasenbedeckun, keinen negativen Test, schon gar nicht die Impfung, um seine kranken Angehörigen in der Klinik besuchen zu können.]  Das ist dann also nach 18 Monaten das Ergebnis der sozialen Isolation der hinter Masken versteckten 1,5-m-Gesellschaft. Welche Unmenschlichkeit hat sich in dieser kurzen Zeit breitgemacht. Es ist wieder soweit. Gib kleinen, unbedeutenden Figuren Macht, und sie kosten sie aus bis in den letzten Zentimeter. Lassen die anderen spüren, wer hier das Sagen hat.

Das hatten wir doch alles schon mal.

Die komplette Abwesenheit jeglicher Menschlichkeit und Mit-Menschlichkeit macht mir Angst. Wenn das die vorherrschende Stimmung, der vorherrschende Umgangston in der Gesellschaft ist, dann gute Nacht.

Jetzt, ein paar Stunden nach dem Telefonat, nachdem ich das alles mir von der Seele geschrieben habe, geht es mir etwas besser, blicke ich mich um in meinem Leben.

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Und ich bin froh, dass ich eine Menge Menschen kenne und um mich habe, die völlig anders ticken. Von denen ich weiß, dass sie – hätten sie mit meinem Freund in der Schlange gestanden – ihm bei gestanden hätten in der Diskussion mit der jugendlichen Torwächterin. Oder zumindest nach der Rückkehr von der Apotheke dafür gesorgt hätten, dass er nicht wieder völlig hinten sich anstellen hätte müssen.

Bin froh, dass es noch viele, viele Menschen gibt, die sich von dieser Eineinhalb-Meter-Kälte nicht einfrieren lassen. Die sich ihre Herz-lichkeit bewahren und sie gerade jetzt besonders zum Ausdruck bringen.
An diese Menschen halte ich mich. Mit solchen Menschen kann man überall, wo man ist, wo man hinkommt, kleine Keimzellen von Wärme und Mitmenschlichkeit aufbauen. Und hoffen, und sehen, wie sie wie in einem Schneeballsystem die Kälte von innen her wieder aufwärmen.

Montag, 9. August 2021

Neue Erde

 

 

Innerlich bleibe ich noch ein bisschen bei dem im letzten Beitrag erwähnten Gesellschaftsspiel, in dem
wir – ja, damals! – unseren Phantasien über ein schönes, glückliches, freies, übermütiges, lebensprühendes Sein freien Lauf ließen. Es ist so not-wendend wie nur etwas, solche Vorstellungen zu entwickeln, auszuschmücken und zu pflegen. Ein paar wunderbare Menschen haben eine für jede und jeden zugängliche Initiative ergriffen und bauen eine immer größer werdende Internetpräsenz und Vernetzungsplattform rund um "Das Manifest der Neuen Erde" auf: https://thenewearthmanifesto.com/. Den zugehörigen Film  habe ich heute Vormittag wieder einmal angeschaut und mich gerne den dort in Bilder umgesetzten Visionen hingegeben.

Weil mich die letzten Monate das Thema Heilung und Gesundheit besonders beschäftigt hat, sind auch die Aussagen des Manifestes zu diesem Thema mir heute besonders hängen geblieben.
Wenn unser Heilwesen doch nur schon so weit wäre…!...

Seht selbst, welche Ideen dort entwickelt werden. Das Manifest im Wortlaut zu diesem Thema, es handelt sich um Punkt 1i. des Kapitels "Gesundheit allen Lebens":

Unsere „Krankenhäuser“ werden in ganzheitliche „Heilungs-Räume“ umgestaltet

Warum wir Veränderung brauchen

In der modernen Medizin wird ein „Krieg gegen die Krankheit“ geführt, es wird versucht, sie zu „besiegen“, anstatt ihre Ursache als wichtigen Anhaltspunkt für eine ganzheitliche und nachhaltige Heilung zu betrachten. Der mechanistische Ansatz der heutigen Wissenschaft reduziert den Menschen eine „Maschine“, die repariert werden kann. Anstatt das Immunsystem zu unterstützen und die Selbstheilung durch einen ganzheitlichen Ansatz zu fördern (ganzheitlicher Lebensstil, positive Gedankenausrichtung, Schattenarbeit, Beziehungen und Emotionen etc.), isolieren sich die Menschen und werden von Maschinen und Pharmazeutika im Übermaß versorgt.

Die zweithäufigste Todesursache in den Vereinigten Staaten steht im Zusammenhang
mit Pharmazeutika und deren „Cocktaileffekten“.

Das neue Heilungs-Konzept und der Bau der entsprechenden Räume wird mit dem Wissen und Erfahrungsschatz von Medizinern, Heilpraktikern, Energetikern, Ernährungswissenschaftlern, Physiologen, Biologen, Psychologen, spirituellen Lehrern, Geomanten, Feng-Shui-Spezialisten etc. ausgearbeitet und umgesetzt. 

Mit wenig Aufwand werden aktuelle Krankenhäuser und Intensivstationen vorab mit Pflanzen, Therapietieren, Naturdüften, natürlichen Lichtfrequenzen, Bildern von Pflanzen und Natur heilfreundlicher gestaltet. 

Die neuen Heilungsräume werden von heilenden Wäldern mit speziellen Waldtherapie-Pfaden nach dem Vorbild des japanischen Shinrin-Yoku (Link folgt) mit Achtsamkeitspfaden, Bächen und Wasserflächen umgeben. Tiere und Pflanzen sind Therapiehelfer. 

Spezielle, den Heilungsräumen angeschlossene Landwirtschaftsbetriebe bieten Therapiemöglichkeiten für z.B. Drogenabhängige oder andere Suchtgefährdete Menschen an, (dazu zählen auch Digitale Detox Therapien) und gleichzeitig wird dort gesunde biologische Nahrung für die Heilungsräume angebaut.

Im Konzept der Heilung werden folgende Prinzipien anerkannt: 

1. Der Mensch ist ein spirituelles geistig sehr hochentwickeltes Wesen, das nicht an seiner Hautoberfläche endet. Er ist ein mehrdimensionales Wesen mit mehreren „Körper- Ebenen (u.a. physischer Körper, mentaler Körper, emotionaler Körper, Energie-Körper, kausaler Körper)
die alle miteinander verbunden sind und interagieren.
2. Der Mensch ist ein auf allen Ebenen verbundener Teil des Ökosystems Erde, eines lebendigen Organismus.
3. Die
5 biologischen Naturgesetze.
4.) Alle Lebewesen verfügen über ausgezeichnete Selbstheilungskräfte und ein Immunsystem, die es primär und auf allen Ebenen zu unterstützen gilt, um Krankheiten vorzubeugen und zu heilen.
5.) Jede Krankheit hat eine Botschaft. Von nun an fokussiert sich die Medizin nicht mehr auf die Symptome, sondern auf die Ursachenerkennung und die Vorbeugung der Krankheit.

In den neuen Heilungsräumen werden ganzheitliche Therapiemethoden angewandt, die auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen eingehen.
Heilmethoden, die die Menschen seit Jahrhunderten dabei unterstützt haben, durch die Kraft der Natur und des Geistes zu heilen (wie zum Beispiel Homöopathie, TCM oder Anthroposophische Medizin), sowie „neue“, gut erprobte und bereits erfolgreich angewandte Heilmethoden, die auf Quanten/Frequenzen/Energie/Information basieren, werden voll anerkannt, angewandt und gelehrt. 

Natürliche und lokal gewachsene und produzierte Heilmittel werden bevorzugt, da diese im Vergleich zu den Produkten der Pharmaindustrie kaum Nebenwirkungen haben, vom menschlichen Organismus besser assimiliert werden und dabei auch die lokalen Produzenten fördern.

Die Ärzte weisen ehrlich, unaufgefordert, klar und transparent auf die Nebenwirkungen der Medikamente hin, die sie verschreiben.

Wie gesagt, dies ist lediglich jener Ausschnitt aus dem Manifest, der sich mit dem Thema Heilen befasst.
Persönlich wünsche ich mir, dass viele, viele Menschen diese Initiative kennenlernen und mithelfen, am Bild und der Verwirklichung einer Neuen Erde mitzuweben.


Daher binde ich hier das Video ein, das ich oben bereits verlinkt hatte. Darin kommt das gesamte Manifest zur Sprache, illustriert von märchenhaft schönen Bildern.

Eine virtuelle Gruppe von Menschen meditiert jeden Abend um 21 Uhr, um die Neue Erde zu manifestieren. Hierzu gibt es das Video "Manifestiere das Paradies auf Erden" .
Natürlich kannst Du auch zu jedem anderen Zeitpunkt meditieren 🙏

Die Fotografien sind entstanden bei einem Spaziergang durch den Heemtuin in Muntendam, auf den ich Euch an einem der nächsten Tage ausführlicher mitnehme. 

Montag, 12. Juli 2021

Unter die Haut

Seit heute frage ich mich ernsthaft, ob es zwischen der Abteilung Dermatologie des Regionalkranken-hauses in Scheemda und mir noch jemals wieder gut wird. Nach meinem kuriosen Erlebnis miteiner enorm schamhaften Hautärztin hatte ich dort erneut ein Erlebnis der dritten Art. Diesmal war es eher das Modell Feldwebel, weiblich, Mitte 50, versteckt in einem hageren, sport-lichen Körper. Gesicht emotionslos, aschblond-grau-meliertes Halblang-haar, graue, abweisende Augen. Und fern jener ausgesuchten Höf-lichkeit, die ich sonst so oft hier in Polikliniken erlebt hatte.

Aber der Reihe nach.

Überwiesen hatte mich die Hausärztin wegen akuter Beschwerden vor ca. einem Monat.
Facharzt-Termine werden einem hierzulande zugeteilt. Blöd, wenn das Akute dann schon vorbei ist.

Im Sprechzimmer empfing mich ein etwas unsicherer, freundlicher, milchgesichtiger Jungmann, der sich als "Co-Assistent" vorstellte, namenlos, betraut damit, die Anamnese aufzunehmen und dann der eigentlichen Ärztin vorzutragen. "Co-Assistenten" – was für ein euphemistischer Begriff! - sind medizinstudierende Praktikanten im 10. Semester, die erste Krankenhaus- und poliklinische Praxiserfahrung machen.

Ich erzählte also meine Geschichte, die ihren Ursprung bereits im Februar hat. Er nickte eifrig, während ich sprach, und tippte irgendwas in den Computer. 'Prima', dachte ich, 'er begreift alles und kann sogar gleich mitschreiben, computererfahrene, fitte  Generation halt', und erzählte munter weiter.

Doch das bestätigende Nicken war nur Attitude. Wahrscheinlich hatte irgendjemand ihm ins Praktikum mitgegeben, dass es wichtig sei, den Patienten das Gefühl zu geben, dass sie gehört würden.

Als er meinte 'jetzt muss ich das alles mal in eine Form bringen' und an seinen darauf folgenden Verständnisfragen merkte ich, dass er nix kapiert hatte. Ich erklärte nochmal die ganze verwickelte Geschichte, hoffend, dass es nun richtig angekommen sei.

Auftritt: die Feldwebelin.
Jungchen erzählt, was er aufgenommen hat. Halb- bis dreiviertelrichtig. Ich korrigiere an einer Stelle. Die Korrekturen anderer Fehler, u.a. Weglassen von wichtigen Symptomen und Beobachtungen, fielen mir erst auf dem Heimweg wieder ein.
Was für ein bescheuertes System ist das! 'Stille Post'-Effekt 🙄 und darauf soll eine ganze Behandlung basiert werden!

Schnell hatte Frau Doktor sich aufgrund der Darstellung des Jungen ein Bild von meiner Erkrankung gemacht, von dem sie nicht mehr abwich. Ein Bild, das völlig differiert mit den Diagnosen meiner Hausärztin und mit meinem eigenen Gefühl über meinen Körper.
Ihrer Ansicht steht fest: es handelt sich um eine Allergie, und klar.

Es ging schon schief, als Frau Doktor während der Erzählung des Jungarztes die Beipackzettel meiner beiden aktuellen Medikamente sah: "Nehmen Sie immer solche pflanzlichen Sachen?" Ich antwortete wahrheitsgemäß: ja meistens. "Davon können Sie auch Allergien bekommen!" – Da war er wieder, der Satz, den ich so liebe. Vor 50 Jahren hatte der dazu geführt, dass ich weiterhin Penicillin gegen eine Angina einnahm, obwohl ich nach dem ersten Tag bereits allergische Symptome hatte, und stattdessen das Meditonsin wegließ – "pflanzliche Medikamente machen oft Allergien" war die Aussage des HNO-Arztes, zu dem ich vertretungsweise gegangen war, weil 'mein' HNO-Arzt, der das Meditonsin veschrieben hatte, in Urlaub war. Zwei Tage später lag ich – vom Notarzt eingewiesen – mit einer saftigen Penicillin-Allergie in der Uni-Hautklinik, wo ich 14 Tage bleiben musste.

Und nun steuerte die Feldwebelin das ganze Gespräch in Richtung Allergie. Wieso ich wissen wolle, das mein Herpes Herpes war? War der durch eine Untersuchung richtig nachgewiesen?

Hier hätte ich sagen müssen: "weil ich seit mehr als 30 Jahren immer wieder mal Herpes habe und weiß, wie der aussieht und verläuft."
Tat ich nicht. Der Feldwebelton, die Vorverurteilung wegen meiner Vorliebe für menschenfreundliche Arzneien, die abwertende und alle meine Äußerungen wegwerfende Haltung hatten mich mit Stummheit geschlagen. Dumm gelaufen.

Trigger. Voll getroffen. Hier darf ich noch weiter lernen.

Wie ich den Herpes behandelt habe? Ich nannte meine Salbe – wieder eine pflanzliche. Sie runzelte die Brauen und fragte, ob der Herpes echt behandelt worden sei. Ich nahm an, sie meinte damit orale Medikamente und verneinte.
Woher ich denn dann wisse…? – Meine Hausärztin hatte das bestätigt. Der traute sie offenbar nicht mehr viel zu, nachdem diese mir pflanzliche Medikamente verschrieb, die Antwort wurde mit Augebrauenhochziehen quittiert.

Der langen Rede kurzer Sinn: angeblich deute alles auf Allergie. Am besten, ich mache einen Allergietest – dann werden 40 verschiedene Substanzen mit Pflastern auf den Rücken aufgebracht. Und – natürlich muss ich meine Salbe mitbringen zum Test, denn die könnte ja die böse Allergieauslöserin sein. (Dass ich die erst im späten Verlauf der Behandlung bekommen hatte, als die ganze Geschichte schon lange am Laufen war, interessierte hier niemand.) Ich dürfe dann eine Woche nicht duschen und am besten auch nicht sehr schwitzen. Na prima! Im Sommer! Bei aktuell um die 23-25° bei 75% bis 90% Luftfeuchtigkeit. Na herzlichen Dank!

Immerhin schaute sie sich noch die betroffenen Stellen an. Da war natürlich außer ein bisschen Rötung gerade nichts zu sehen.

Meine Salbe solle ich absetzen und statt dessen eine fette Basissalbe, die sie mir aufgeschrieben habe, verwenden. Das Rezept hatte sie an die Krankenhausapotheke geschickt, dort müsse ich die Salbe jetzt gleich noch abholen. Damit verschwand die Dame, rief eine Arzthelferin rein, die mir den weiteren Gang des Allergietests erklären sollte.

Völlig vor den Kopf geschlagen, verwirrt, ratlos verließ ich wenig später das Sprechzimmer.
Dieser Termin war mir voll unter die Haut gegangen.

Derart herabwürdigend und geringschätzig war mir seit langem kein Arzt, keine Ärztin mehr begegnet. Ich fühlte mich wie eine schlechte Schülerin, die vor der Tafel versagt hatte. Einerseits.
Andererseits kam ich mir komplett überrollt von etwas vor, das nichts mit mir zu tun hat und mir ganz sicher nicht helfen wird.

Zornig ging ich zum Auto.
Erst zuhause fiel mir auf, dass ich die Salbe vergessen hatte.

Montag, 5. Juli 2021

Nocebo

Eine handliche, englischsprachige Definition von Nocebo habe ich hier gefunden
Viele Ärzte, vor allem da, wo schwere Krankheiten behandelt werden, sind Meister im Nocebo. Das wurde mir kürzlich erneut bewusst, als ich über meine Gesundheit der letzten zehn Jahren sinnierte.

Nocebo-Effekt ist das negative Gegenstück zum Placebo-Effekt. Letzterer ist die Bezeichnung für stattfindende Heilung oder Besserung von Symptomen, die durch positive Vorstellungen und Erwartungen gefördert und beeinflusst wird. Mit Nocebo wird demzufolge ein Geschehen bezeichnet, bei dem Symptome und Erkrankungen entstehen aufgrund von negativen Erwartungen und Vorstellungen über die eigene Gesundheit.

Und so denke ich an zehn Jahre zurückliegenden Erfahrungen mit behandelnden Ärzten zurück. Interessanterweise waren es alles Ärzte, die mit der zweiten Stufe der Behandlung befasst waren, also mit dem, was nach dem akut notwendigen, chirurgischen Eingriff kam. Direkt im Umfeld des Eingriffs und der Nachsorge (ich war in einer deutschen Klinik und durfte damals noch so lange im Krankenhaus bleiben, bis die Wunde geschlossen war, und wurde wirklich menschenfreundlich behandelt und gepflegt) waren Ärzte und Schwestern sorgsam, mitfühlend und positiv-heilsam.
Aber dann. Begannen die negativen Programmierungen.
Die wieder loszuwerden ich mich seit dem bemühe.

Netzfund (Twitter)
Besonders unangenehm habe ich die Radiologin in Erinnerung, zu der ich noch vom deutschen Krankenhaus aus zwecks Information geschickt wurde, obwohl die eigentlichen Bestrahlungen dann in der Poliklinik in den Niederlanden stattfanden. Diese Ärztin war eine wahre Meisterin im Entmutigen und im Einpflanzen negativer Vorstellungen. Einzelne der damals von ihr drohend beschworenen Bilder drangsalieren mich noch heute, was natürlich kein Wunder ist. Ich war per sitzendem Krankentransport sozusagen vom Bett weg in die Praxis gebracht worden, hatte dort mehr als zwei Stunden im Rollstuhl mehr hängend als sitzend warten müssen, die eingreifende OP war vielleicht sechs oder acht Tage her. Entsprechend noch schwach und beeinflussbar war meine Verfassung.

Mit weiterer Bitterkeit gedenke ich des ersten Arztes, der mir für die vierteljährlichen Kontrolluntersuchungen zugeteilt worden war. Auch er war perfekt im Ent-Mutigen, anstatt mir Mut zu machen und positive Perspektiven aufzuzeigen. Bei meinem ersten oder zweiten Besuch erklärte er mir allen Ernstes, dass ich jetzt den kurativen Teil der Behandlungen – also den auf Heilung gerichteten – hinter mir habe. Sollte sich eine gleichartige Erkrankung irgendwann erneut zeigen (er nannte dann auch gleich mal Beispiele von Organen, um das negative Bild perfekt abzurunden), käme lediglich noch palliative Behandlung in Frage. Also eine Behandlung, die nicht auf Heilung, sondern nur noch auf Linderung abzielt.

Na prima. So startete ich also in den nächsten Teil meines Genesungsprozesses.

An der Universität Leiden ist aktuell eine Sozialwissenschaftlerin beschäftigt mit einer
Untersuchung des Placebo-Effektes und fordert die Leser ihrer Website dazu auf, ihre persönlichen
Selbstheilungs-(Placebo-)Geschichten mit ihr zu teilen.

Was hätte er besser statt dessen zu mir gesagt? – Das, was ich mir selbst dann immer wieder sagte, um seine Programmierung durch meine zu ersetzen:
Es wurde alles getan, was sinnvoll war, um das Störende zu entfernen. Jetzt heilt der Körper. Sorge für optimale Bedingungen: sei vor allem zuversichtlich! Iss gesund. Sei optimistisch, glücklich, dankbar, gelassen, freue dich am Leben. Genieße, was es zu genießen gibt. Sei kreativ, geh in die Natur, tu Dinge, die dir Freude machen.



Der Gegensatz kurativ – palliativ lag mir noch lange wie ein schweres Gewicht auf der Seele.
Ebenso wie die angstmachenden Bilder der Radiologin.
Beide Ärzte pflanzten, wahrscheinlich nicht einmal bewusst, Angst. Und taten damit das Gegenteil von dem, was sie eigentlich hätten tun müssen: Mut und Zuversicht säen und pflegen.
Angst ist der größte Stressor, den man sich vorstellen kann, Feind der Gesundheit und jeglicher Heilung.

Übrigens schlugen auch viele weitere, gut gemeinte Äußerungen und Ratschläge in dieselbe Kerbe: "Du musst jetzt auf dich aufpassen", "Leute, die solche Behandlungen (ersatzweise: Krankheiten) hatten, sind besonders empfindlich", "Streng dich nicht zu sehr an", "Schone dich", usw. Letzten Endes alles Aussagen und Bemühungen, die lieb gedacht waren. Die aber auf Dauer nicht helfen, nach der Krise wieder in die eigene Kraft und Macht zu kommen.

Es ist kein Zufall, dass mir das alles gerade nun wieder durch den Kopf geht. Seit eineinhalb Jahren erleben wir alle, dass um uns her vor allem Angst gesät und geschürt wird. Was für eine gigantische Aufgabe, in einem solchen Klima positiv, lebensgerichtet zu bleiben!

Die oben geschilderte Hypothek macht es nicht einfacher.
Und wie viele Menschen tragen dieser Art Hypotheken mit sich herum!


Mich selbst hat es angeregt, mich wieder einmal mehr mit der Auswirkung heilsamer und positiver Bilder, Gedanken, Vorstellungen auf die Gesundheit zu befassen. Mit der Auswirkung hoffnungsvoller Gedanken und angenehmer Gefühlen wie Freude und Erleichterung auf das Wohlbefinden.
Placebo.
"Ich werde gefallen" – so die Übersetzung des lateinischen Begriffs.

Wie viele von uns kann ich das gerade gut gebrauchen. 

 

 

Den nebenstehenden Buchtip dazu habe ich heute in meiner Gruppe in Groningen erhalten. 

Sonntag, 23. Mai 2021

Spahnwahr... äähhm.... Sparwahn

Wohin der Sparwahnsinn im Gesundheitswesen geführt hat, durften wir im gesamten letzten Jahr
ausführlich bewundern. Es rächte sich der hart vorangetriebene Abbau von Krankenhausbetten in den vergangenen Jahren sowie die Tatsache, dass seit Jahren nichts ernsthaft unternommen wurde gegen den strukturellen Pflegekräftemangel, vor allem auch in der intensivmedizinischen Betreuung. Es wurden im Lauf des Pandemiejahres selbst noch mehr Betten abgebaut, auch viele Intensivbetten: 20 Krankenhäuser wurden aus ökonomischen Gründen im Lauf des Jahres 2020 geschlossen. Hier in den Niederlanden existierten grundsätzlich viel zu wenige Intensivbetten (hier wurden in den letzten Jahren unzählige Krankenhäuser geschlossen und zusätzlich Intensivbetten in den übrig gebliebenen Kliniken abgebaut). Und dann ist da noch in Deutschland seit 18.11. 2020 ein Irrsinnssystem in der Vergütung: Krankenhäuser erhalten nämlich bei einer Auslastung von 75% ihrer Intensivstationen Ausgleichsgelder aus der Liquiditätsreserve Gesundheitsfonds
Auslastung kann man, wenn Patienten fehlen, durch Bettenabbau generieren…
Ab November 2020 sind bis Ende des Jahres
etwa10.000 Intensivbetten verschwunden und ist so der Auslastungsgrad gestiegen, bei das ganze Jahr hindurch gleich bleibender absoluter Anzahl an belegten Intensivbetten.

Wie die Musik im Gesundheitswesen spielt, vor allem rund um die Krankenhäuser, ist schon 1997 entlarvend im Deutschen Ärzteblatt ausgedrückt worden: „Das im Gesundheitssystem erbrachte Leistungsspektrum orientiert sich primär — völlig zu Recht — an den wirtschaftlichen Überlebenschancen der Leistungserbringer und nicht an den Bedürfnissen der Leistungsnehmer.“
Mit "Leistungsnehmer" sind die Patienten gemeint. Diejenigen, für die Krankenhäuser eigentlich einmal gedacht waren.

Aktuell darf ich die Auswirkungen des Vorrangs der Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen im eigenen Umfeld erleben.

Groß geworden bin ich in einer Zeit, die geprägt war von der zunehmenden Professionalisierung in der Gesundheitsbetreuung und -versorgung. Bei körperlichen Beschwerden ging man selbstverständlich zum Arzt, anstatt lange zuzuwarten, ob es sich vielleicht von selbst regelt. Das Bewusstsein war in den Köpfen angekommen, dass es nicht gut ist, Dinge zu verschleppen. Wenn etwas Ernstes war, eine Operation nötig war oder die Behandlung einer schweren Krankheit, wurde man ins Krankenhaus eingewiesen und dort so lange behandelt, gepflegt und versorgt, bis der akute Verlauf genesen war. Zuhause rekonvaleszierte man noch, um die Genesung abzurunden.

Nach einem Eingriff blieb man so lange, bis die Wunden gut verheilt waren, wurde gut versorgt und vor allem wurde der Verlauf der Heilung durch fachlich geschultes Personal täglich beobachtet und kontrolliert. Abweichungen konnten sofort festgestellt werden und man konnte rechtzeitig eingreifen. Verbände wurden professionell und sicher mit sterilem, passendem Material gewechselt.

Wenn auch ein Aufenthalt im Krankenhaus selbstverständlich nie 'schön' war - im Grunde war es doch auch eine für Genesende und Angehörige entspannte Situation. Man wusste sich selbst bzw. seine Lieben in geschulten Händen und konnte in Ruhe genesen bzw. rund um die täglichen Besuche beim kranken Familienmitglied einen einigermaßen normalen Alltag leben.

Heutzutage lohnt sich diese Art Pflege nicht mehr für die Krankenhäuser, denn sie erhalten Fallpauschalen. Je schneller der Durchsatz, um so mehr Einnahmen.
So werden Menschen grundsätzlich so schnell wie möglich aus den Kliniken geworfen. Nach Hause geschickt in Momenten, in denen die Erkrankung bzw. Wunden noch komplette Versorgung benötigen.
Patient und Familie werden weitestgehend ihrem Schicksal überlassen. Man kriegt ein paar Instruktionen mit, die nötigen Medikamente (aber kein Verbandmaterial, das muss man sich selbst irgendwo besorgen), Verhaltensmaßregeln und den Hinweis, man solle ruhig anrufen, wenn einem irgendwas spanisch vorkäme. Nachts und am Wochenende allerdings nur in absolut schweren Notfällen.
Die ganze Last der Pflege wird auf die Schultern der Angehörigen abgeladen. Die in den meisten Fällen – so wie ich auch – von Tuten und Blasen keinerlei Ahnung haben. Und weh den (älteren) allein Lebenden, die keine erwachsenen Kinder haben oder ein 'funktionierendes soziales Umfeld', wie das hier in den Niederlanden genannt wird. Oder deren Kinder weit weg wohnen.

Als Laie hat man keinen blassen Schimmer, was 'normal' und was 'abnormal' ist im betreffenden Genesungsverlauf, vor allem direkt nach einem Eingriff. Wie viel Schmerzen sind 'zu viel' Schmerzen? Wieviel Rötung ist 'zu rot'? Wann sieht die während des Verbandswechsels sichtbare Narbe/Wunde anders aus, als sie sollte? Und so entstehen Fragen über Fragen.
Was mache ich, wenn der eine Tropfen, den ich geben muss, zu klein geraten ist? Wie schlimm ist es, wenn zwei Tropfen aus dem Fläschchen ins Auge fallen statt einem? So geht das munter weiter.
Von A bis Z Unsicherheit über das, was richtig und was falsch ist. Was o.k. ist und was eben nicht o.k. ist. Überall lauert die Gefahr, etwas zu übersehen oder einen Fehler zu machen und dadurch die Genesung zu behindern. Oder Schlimmeres.

Totalstress für Patient und pflegende Angehörige.
Nachdem jahrzehntelang alles dafür getan wurde, die Behandlung von körperlichen und seelischen Erkrankungen zu professionalisieren, spielt professionelle Versorgung auf einmal keinerlei Rolle mehr. Alles ist dem Zufall der Tatsache überlassen, wie gut sich versorgende Angehörige mit Pflege und Symptomen auskennen. Oder eben nicht. Die Qualität der Versorgung wird dadurch sicher nicht besser…

Am ärgerlichsten an dem Ganzen finde ich die Euphemismen, mit denen das alles umgeben wird.
"Sie brauchen erst in zwei Wochen zum Nachschauen wiederzukommen" heißt im Klartext: "Sie dürfen sich vorher nicht hier blicken lassen, sehen Sie zu, wie sie die Zeit bis dahin überbrücken und alleine alles hinkriegen."
"Sie dürfen am selben Tag noch nach Hause" bei den immer häufiger angewendeten ambulanten Eingriffen – was wurde früher schon ambulant durchgeführt? Nur das, was hinterher wenig Versorgung nötig hatte und unkompliziert war – bedeutet: "Sieh zu, wie du dich rettest. Wir helfen dir nur im allerschlimmsten Notfall. Wir haben unser Teil getan, nun sieh du zu, wie du über die Runden kommst."

Angeblich – das gehört auch zum Narrativ – heilt man besser in häuslicher Umgebung. Ich habe da so meine auf Erfahrung  begründeten Zweifel. O.K., man ist zuhause, von den 'eigenen' Bakterien und Viren umgeben. Vom vertrauten Staub und von den vertrauten Waschmittelresten in Wäsche und Bettwäsche. Man liegt im eigenen Bett. Das aber nicht verstellbar ist und dessen Matratze eventuell nicht gut für die gewünschte Lagerung geeignet ist. "Patient darf zwei Wochen nicht auf dem Rücken liegen" – wie kriegt man es ohne die richtigen Hilfsmittel hin, dass 'Patient' sich nachts im Schlaf nicht auf den Rücken dreht? Auf dem Rücken liegen gefährdet den Behandlungserfolg…

Ich zweifle daran, dass das Vertraute Zuhausegefühl die nicht vorhandene professionelle Betreuung aufwiegt. Dass es die Unsicherheit vor allem in den Nächten aufwiegt. Den ständigen Stress, ob alles auch tatsächlich so gut verläuft, wie es den Anschein hat. Und noch mehr Stress, wenn etwas nicht so läuft, wie es sein sollte.

Ich bleibe dabei, dass dies 'zuhause genest man besser' eine hübsche Geschichte ist, um die Sparmaßnahmen zu camouflieren. Im Grunde geht es darum Kosten zu sparen bzw. personalaufwendige Pflege, die keine zusätzlichen Einnahmen generiert, nicht mehr liefern zu wollen.

Dieser Gesellschaft sind die Menschen nichts wert.
Es zählt nur der Gewinn, der zum Schluss für die Kapitalgeber – wer immer das sei – übrig bleibt.

Und so steht man sowohl als Genesender als auch als Angehörige mehr oder weniger allein vor einer Riesenaufgabe, für deren Bewältigung man keinerlei Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt. Man ist konstant gezwungen zu improvisieren und Lösungen zu finden, weil einem sowohl Fachkenntnisse als auch die richtigen Hilfsmittel und Materialien fehlen. Man erfindet ständig das Rad neu, während professionelle Kräfte mit einem Blick wüssten, was auf welche Weise zu tun ist bzw. wie die Lage ist.

Was für eine Schande, dass in den höchstentwickelten Regionen dieser Welt Genesende wieder auf dieselbe Weise versorgt werden müssen wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwar sind die Arzneimittel besser, die Techniken der Ärzte ausgefeilter und ist die Medizintechnik in den Kliniken weiter entwickelt. Aber die heutzutage aufgezwungene Pflege durch ungeschulte Menschen der häuslichen Umgebung ist vielleicht sogar schlechter als damals. In der Vergangenheit hatten nämlich wenigstens die meisten Mädchen irgendwann gelernt, wie man Kranke versorgt.
Vielleicht sollte man  häusliche Krankenpflege als Schulfach in der 9. oder 10. Klasse unterrichten.

"Du vertraust zu wenig auf die außerordentlichen Selbstheilungskräfte des Körpers!" – höre ich Freunde und meine innere Stimme sagen. "Zu wenig auf die Unterstützung aus der eigenen, inneren Kraft und Heilkraft, die unendlich ist und immer anwesend."

 

 

 

 

 

Das muss ich dann mal lernen.

Viel gelesen