Mitte März bis 10. April 2020 täglich. Ab 11. April 2020 erscheinen die Beiträge jeden zweiten Tag. Ab Montag, 22. Juni 2020 immer Montag und Donnerstag abends. Ab Montag, 13. Dezember 2021 am Montagabend nach 22 Uhr.


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Dienstag, 6. Dezember 2022

Dran bleiben



Es ist mir viel verlorengegangen in den letzten drei Jahren. Um genau zu sein, seit Mitte 2020, nachdem das ganze 👑 Thema erst so richtig angelaufen war und langsam, aber sicher deutlich wurde, dass es keine vorüber-gehende "Krise" sein würde.
Sondern dass hier dauerhafte Veränderungen eingetreten waren bzw. eintreten würden, die wir uns alle niemals hätten träumen lassen.

Die Rede vom "Neuen Normal", mit dem die Politiker aller Herren Länder schon früh nach den ersten, konzertierten Maßnahmen-Aktionen an die Öffentlichkeit getreten waren, erwies sich bedauerlicherweise als allzu wahr.

Seit dem hat sich tatsächlich mein Leben, verglichen mit jenem vorher, völlig verändert. Manche der Dinge, die immer wieder gepredigt wurden, haben auch in mir tiefe Spuren hinterlassen, die ich bislang nicht so ohne weiteres los werden konnte.

Dank für dies Bild an Wolfgang Eckert via Pixabay https://pixabay.com/de/users/anaaterate-2348028

Das gesellschaftliche Klima, teils auch nur die Nachrichten über das veränderte Lebens-Klima in Deutschland, die Sorgen über die induzierte Dauerkrise, die sich auf allerlei Ebenen inzwischen abspielt und das 👑-Thema ein wenig in den Hintergrund hat treten lassen, haben sich in mir nieder geschlagen.
Wörtlich.
Auch körperlich. *)
Welches das Mühsamste an der ganzen Angelegenheit ist, weil so zäh zurück zu drehen, zu heilen.

Dieser gesamte Blog ist Zeugnis all meiner Anstrengungen, hier gegen zu steuern.
Ist nicht einfach und erfordert immer wieder und ständig neue Bemühung. Ohje!

"Hou de moed erin!" rufen meine niederländischen Freunde mir immer wieder einmal zu.
"Bleib dran!" könnte man das übersetzen.

Ja! Danke!

 


*) Damit bin ich nicht allein. Natürlich nicht. Es geht vielen so, dass ihnen die drei vergangenen Jahre tief in den Knochen sitzen. Nicht umsonst schießen die Zahlen der psychischen und psychosomatisch Behandlungsbedürftigen nach oben wie nie zuvor.
Mal ganz abgesehen von anderen Langzeit-Ergebnissen der Maßnahmen, wie z.B. die unzähligen Kinder mit schweren Atemwegserkrankungen, deren Immunsystem in den letzten Jahren keine Chance hatte, sich zu trainieren.

 

 

Montag, 31. Oktober 2022

Schreibhemmung


 

 

 

 

Seit gestern leben wir endlich wieder in der Normalzeit, dem Uhrzeitsystem, das man besser "biologische Zeit" nennen sollte, weil in ihm der mittägliche Sonnenstand am besten passt zu der Zeit, die auf der Uhr angezeigt ist, d.h. 12 Uhr mittags auch am dichtesten beim höchsten Sonnenstand ist.

Soll ich jetzt zum sechsten Mal seit Beginn dieses Blogs über die Zeitumstellung schreiben? habe ich mich im Lauf des Tages gefragt. Und zum dritten Mal darüber reflektieren, was für eine Entspannung es bedeutet, endlich wieder die Parallelität zu fühlen zwischen meiner inneren Uhr - die sich viel mehr an den Lichtverhältnissen orientiert - und der äußeren Uhrzeit? Zum dritten Mal darüber schreiben, dass endlich das Gefühl wieder vorbei ist, andauernd zu spät zu sein bzw. wer weiß wie oft, vor allem nachmittags und abends zu denken: "Wie bitte? So spät ist es schon???"

Nein, danach war mir nicht zumute. Dazu kommt, dass ich gestern zwar wohlgemut und ausgeruht aufgestanden bin, im vollen Wohlgefühl der zurückgekehten biologischen Zeit, dass mir aber dann im Lauf des Tages eines meiner chronischen Symptome derartig die Petersilie verhagelt hat, dass ich das neue alte Zeitgefühl gar nicht richtig genießen konnte.

Also kein Blogbeitrag mit dem Titel, den ich schon tagelang im Kopf hatte: "Wer hat an der Uhr gedreht?" !

Auch ansonsten sieht Vieles nicht rosig aus. Der Zustand der Welt ist gruselig.
Das bekomme ich trotz weiterhin eifrigen Nachrichtenfastens natürlich mit. Man verschließt ja nicht Augen und Ohren, sondern filtert nur sehr bewusst, was man zu sich hereinlässt.
Das ist noch genug Unschönes.
Aber darüber möchte ich nicht schreiben.

"Reisetagebuch über eine besondere Zeit" habe ich diesen Blog als Ganzes überschrieben. Damals dachte ich noch, dass es sich um eine vorübergehende Krisenphase handeln würde, was wir da mit dem großen "C" durchmachen. Inzwischen sind wir in einer Art Dauerkrise gelandet, bei der ein Drama das andere ablöst bzw. zu den anderen dazukommt.
Dass dies alles nur anzeigt, dass alles sich im kompletten Umbruch befindet, hat sich wahrscheinlich nun auch dem letzten Träumer irgendwo im Hinterwäldlerischen vermittelt.

Das ermüdet. So sehr.

Manchmal habe ich einfach keine Lust mehr auf diese Reise durch unsere besondere Zeit.

Bin matt.
Erschöpft.
Will zurück nach Hause.
Will sagen: zurück in die Zeit vor dem 31.12.2019, wo das Leben noch wohlig, geordnet und mit einer einigermaßen angenehmen Zukunft erschien.

Es fällt mir nichts Interessantes mehr ein, über das ich schreiben könnte. Innerlich….. ein leeres Blatt, für das sich jetzt keine schöne, beflügelnde, inspirierende Befüllung einstellt.

Und so lasse ich mich für heute an den Wegesrand sinken, suche mir dafür aber immerhin einen dicken Stein, auf dem ich sitzen kann (ha! so ganz egal ist mir alles also doch nicht!).

Phhhhh – Tief ausatmen. Nichts tun. Nichts schreiben.
Jetzt nur noch die Gedankenmühle anhalten!

Da das nicht so gelingen will, schnappe ich mir ein Buch, das allerdings unter anderem AUCH unsere menschheitliche Gesamtsituation spiegelt. Trotzdem, es ist eine zauberhafte Feenwelt, in die ich da eintauchen kann. Und das tue ich dann auch.
Infos zum Buch?
Klicke auf das Foto.

Montag, 25. April 2022

Besuch

 

 


Wir bekommen Logierbesuch!

Die Tochter meines Mannes mit ihren beiden Kindern von 11 und 15 Jahren plus ein mittelgroßer, ungestümer Hund kommen für drei Tage aus dem Westen des Landes angereist. Seit Januar 2020 haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich bin gespannt, wie sich alle verändert haben werden.
So wie wir uns auch verändert haben.

Der ganze Besuch ist eine spannende Angelegenheit.

Wieder einmal wird mir bewusst, wie viele Kulturtechniken und Seinsweisen ich durch die C-Maßnahmen-bedingte Isolation und das Beschränktsein auf mein all-tägliches, dörfliches Umfeld verlernt bzw. verloren habe. Abgesehen von ein paar sehr vereinzelten Kurzbesuchen anlässlich unserer Geburtstage und ein, zwei Mal in den gesamten drei Jahren jemand, der auf ein Tasse Kaffee vorbeikam, haben wir niemand zuhause empfangen. Ach ja, doch, Handwerker. Den Waschmaschi-nen/Spülmaschinen-Reparateur. Den Malermeister zwecks Kostenvoranschlag des sehr notwendigen Anstrichs unserer Holzfenster und einzelner Heizkörper. Den Sachverständigen, der die Gasbeben-schäden aufgenommen hat. Den Installateur.
Vor 2020 kam auch der Fensterputzer immer auf eine Tasse Kaffee herein, wenn er unsere nach außen aufgehenden Fenster von draußen wieder durchsichtig gemacht hatte. Mit dem großen C fiel das weg, wegen gefährlich.

Und jetzt also Logierbesuch.
Ganz schön aufregend.

Wie geht das eigentlich, ein paar Tage mit anderen Menschen unter einem Dach zusammen-leben? Wie wird das funktionieren mit all den Kapriziositäten, die mein Körper sich in den letzten zwei Jahren zugelegt hat und die mir ein striktes tägliches Schema aufzwingen? Mit diesem ganz festen Ritual an Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten und bestimmten Tees zu bestimmten Zeiten... Mit all den Dingen, die ich inzwischen nicht mehr vertrage? Mit meinem regelmäßigen Ruhebedürfnis am Nachmittag?

Oh ja, diese zwei Jahre in Isolation und ständigem Bedrohungsszenario, von dem immer wieder aufs Neue mich abzunabeln die Herausforderung war und ist, haben nicht gut getan. Dauer-Stress, trotz aller Meditationen und Übungen.

Auch die Wohnung will wieder vorzeigbar gemacht werden gegenüber anderen Menschen. Wenn man nur noch zu zweit so still vor sich hin lebt, entwickeln sich, auch was das betrifft, Rituale und Gewohnheiten. Es entstehen Ecken und Flächen, an denen sich das eine oder andere ansammelt, mal eben zur Seite gelegt, weil es irgendwo störte. Oder die nur in in großen Abständen Bestandteil der Saubermach-Routine sind, weil man nicht täglich dort lebt.

Es erschreckt mich, wie sehr diese zwei, drei Jahre zugeschlagen haben und aus mir eine andere gemacht haben als die, die ich bis Mitte 2020 war. (Bis dahin gab es wider besseres Wissen noch Optimismus und Hoffnung, dass Freiheit zu voller Lebendigkeit zurückkäme). Damals machte ich meine letzte, längere Reise. Damals war mein letzter Aufenthalt in Deutschland.

Inzwischen würde ich solche 8-Stunden-Reisen rein körperlich durch all die Kapriziositäten nicht mehr durchhalten. Die Störung des täglichen Rhythmus in den Mahlzeiten und Getränken würde wahrscheinlich wochenlange Arrhythmien in der Verarbeitung des zu mir Genommenen hervorrufen.

In der aufgezwungenen Isolation bin ich zu einer Art Klausnerin geworden. Unfreiwillig. Einerseits immer wieder aus der Einsamkeit herauswollend. Andererseits voller Zweifel, ob ich wohl in der Lage bin, die auf mich einstürmenden Eindrücke und Herausforderungen des Zusammenseins mit mehreren anderen Menschen mehr als ein paar Stunden aushalten zu können.

Mit dieser Verformung meines So-Seins bin ich nicht allein. Ich beobachte sie bei vielen Menschen um mich herum. Und die Ergebnisse verschiedener Studien geben beredt Zeugnis davon ab, wie sehr diese ganzen Maßnahmenjahre den Menschen geschadet haben:

Magersucht bei Jugendlichen in Deutschland (alle im folgenden genannten Zahlen betreffen Deutschland) z.B. hat sich in der Pandemiezeit verdoppelt. Die Hälfte der im Rahmen von Studien befragten Kinder und Jugendlichen leiden unter Depressionen, ein fast genau so hoher Prozentsatz unter Angstsymptomen, und Alkoholmissbrauch wurde bei 16% der befragten Jungen und Mädchen festgestellt. Die Fallzahl der Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen, untersucht in einer Studie der Uniklinik Essen, hat sich im Vergleich zur Vor-C-Zeit vervierfacht.
Daten, die Ältere betreffen, liegen bei der Sterbegeldversicherung Monuta vor. Auch hier zeigt sich die erschreckende und schmerzliche Entwicklung; die Zahl der Selbsttötungen hat sich vervierfacht.  


Jetzt bekomme ich also Gelegenheit, mich an die Daniela von vor Juli 2020 zu erinnern.
Gelegenheit, mit lieben Menschen eine Weile zusammen sein zu können und alles mögliche gemeinsam zu machen. Mit einander zu reden und zu lachen, zu kochen, zu essen und zu trinken, gemeinsam den Hund auszuführen, und…und…und.  

Gelegenheit, nach der langen Zeit ein anderes Leben wieder auszuprobieren.
Gelegenheit, aus dem ständigen Kreisen um die eigene Achse herauszukommen.

In einer Zeit, in der Viele um mich herum von einem Leben in Gemeinschaften träumen gar nicht so verkehrt.


Montag, 14. Februar 2022

Panta rei

"Never change a running system" – wer diesen Satz erfunden hat, weiß ich nicht. *)

Sicher in den Kindertagen des Microsoft Betriebssystems Windows schien das eine gute Devise zu sein. In jener Zeit, in der jedes Softwareupdate oder Betriebssystemupdate zu einem finalen Absturz des PC führen konnte und einem dann manchmal nichts anderes übrigblieb, als den ganzen PC neu zu installieren. Damals glaubte ich heilig daran: "Lass  bloß die Finger weg von Systemveränderungen und Updates, zumindest so lange, bis wirklich alles in alle Ecken hinein getestet und ausprobiert ist."

Es gibt kaum ein dümmeres Motto, das viral hätte gehen und sich in die Köpfe der Menschen hätte festsetzen können. Jedes System ist immer, immer! in Veränderung begriffen.

Um beim PC zu bleiben: auch wenn ich mein Betriebssystem und meine Programme nie update, verändert sich mein PC fortlaufend. Einfach dadurch, dass ich mit ihm arbeite. Ich speichere Dateien ab, lösche andere, verschiebe eventuell ganze Ordner, der Arbeitsspeicher füllt sich und leert sich und behält dabei doch immer "eins im Sinn", usw. Dadurch passiert im Hintergrund allerlei, und auch (oder gerade) wenn ich nie auf Betriebssystem- oder Programmebene eingreife, kann sich früher oder später das eine oder andere verhaken und mich zwingen, doch bewusst auf irgendeine Weise einzugreifen.

Was für technische Systeme gilt, gilt für lebendige 'Systeme' noch viel mehr.
Das ist mir dieser Tage erneut deutlich – und schmerzlich – bewusst geworden. Wo Lebendigkeit ist, kann niemals Stillstand sein. "Komm aus Deiner Komfortzone" oder "Geh aus Deiner Komfortzone" schallt uns so oft aus den Mündern von Speakern (Referenten also), Coaches, Weisheitslehrern entgegen, dass wir am liebsten ermüdet die Köpfe abwenden. Doch offenbar gibt es keine wirkliche

Alternative zum In-Bewegung-Bleiben, will ich wirklich lebendig und authentisch sein. Immer, wenn ich es mir irgendwo richtig gemütlich gemacht habe, das Gefühl habe, dass das jetzt immer so weitergehen könne und ich endlich richtig angekommen sei, kommt von irgendwoher eine heftige Aufforderung, auf irgend eine Weise aufzubrechen.

Auch die Vernetzungsplattform, auf der ich seit ein paar Monaten aktiv bin, ist da keine Ausnahme. Sie ist nicht das Schnuckelhäuschen zum entspannt Es-Mir-Gutgehen-Lassen, als das sie mir zeitweise erschien. Sie ist ein lebender Organismus. Als Teil dieses Organismus bin ich auch Teil seiner immerwährenden Veränderung, ob ich das nun bewusst mit gestalte oder unbewusst geschehen lasse. Ich entscheide mich fürs bewusst mit gestalten.

Innerhalb dieser Plattform hatte ich eine regional bezogene Gruppe mitgegründet. Die Idee dahinter: verstreut lebenden Menschen den Kontakt zu nicht allzuweit entfernt lebenden Gleichgestimmten zu ermöglichen. Anfangs schien es dort sehr nett und angenehm zu sein. Schien die Liebe zur regionalen Landschaft und Wesensart der Menschen neben einer vermuteten grundsätzlichen Gleichgestimmtheit Verbindung genug. Mit der Zeit erwies sich aber, dass einerseits diese Gleichgestimmtheit so nicht existiert. Dass andererseits die Liebe zu Landschaft und Wesensart nicht verbindend genug ist. Und dass das jeweilige So-Sein einzelner Mitglieder so unterschiedlich ist, dass manches nicht zusammengeht. Sicher nicht, wenn nicht bei allen ein ganz, ganz großer Wille zu gegenseitigem Vertrauen, zu Offenheit und zu Akzeptanz des Andersseins besteht. 

Wo der Wunsch, dirigistisch die Denk- und Fühlrichtung innerhalb der Gruppe zu bestimmen bzw. vorzugeben auf den Wunsch zu freiheitlichem, authentischem Gespräch über eben jene Denk- und Fühlrichtungen stößt, wird es sehr schwierig. Wenn der Dirigismus von dem Menschen ausgeht, der der Hüter der Gruppe sein sollte, wird eine 'Zusammensetzung' **) und gemeinsam innerhalb der Gruppe konstruktiv und kreativ an etwas Herumdenken unmöglich.
Das ist schade.
Aber auch hier gilt, wie überhaupt angesichts schwieriger, belastender Situationen: "Change it, leave it, or love it." Veränderung kann eben auch bedeuten, etwas zu gestalten indem ich es verlasse. 

So gerne ich mir das gemütliche Wohnzimmer mit gemeinsamem Träumen über die geliebte Landschaft und Wesensart der Menschen erhalten hätte… ich musste tränenreich erkennen, dass das, was gemütlich schien, eine starre, einengende Umgebung war. Keine einladende, weiträumige Wohnlandschaft. Sondern ein 16 qm-50er-Jahre-Nachkriegswohnzimmer mit Sofa, steifen Sesseln, Stehlampe und Nierentisch. Nachdem mir das deutlich geworden war, lag der weitere Weg klar vor mir. Dieser Starre und Einengung meines Träumens und meiner Kreativität mich weiter auszusetzen, wäre alles andere als liebevoller Umgang mit mir selbst gewesen. So stand ich auf, räkelte mich, schrieb einen Abschiedsgruß in die Runde  und verließ den Raum.

Vielleicht hatte ich sowieso zu viel Zeit nicht nur in jenem Wohnzimmer, sondern in dem gesamten Schnuckelhäuschen verbracht. War ich nicht doch in der digitalen Welt hängengeblieben, anstatt wirklich zu leben? Eine interessante Erkenntnis, dass das auch bei 'alternativen' Plattformen geschehen kann. Nicht nur bei den Facebooks diese Welt, die aufs Anwesend-Halten der User programmiert sind.

Gerade in diesen Zeiten, in denen wir noch immer durch die Krönchen-Situation mehr isoliert von einander als mit einander leben, ist wohl die Verführung groß, in solchen digitalen Netzen sich zu verstricken. Jetzt bin ich gespannt darauf, wie es mir gelingen wird, ein gesundes Gleichgewicht zwischen digitaler und echter Vernetzung zu finden.

 " Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen (…)
Wohlann denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!" ***)

*) Ich erinnere mich aber noch ganz genau an die Situation, in der ich ihn zum ersten Mal hörte: in meinem kleinen, kuscheligen Büro im alten Amt für Kirchenmusik in Frankfurt am Main in jener 30er-Jahre-Villa, in der ich die allerschönsten Jahre meines Berufslebens verbringen durfte. Ausgesprochen wurde er von der damaligen Vorsitzenden des Verbandes, in dem die Posaunenchöre zusammengeschlossen sind; ob im Zusammenhang mit dem Netzwerkserver oder in betriebsorganisatorischem Zusammenhang vermag ich nicht mehr zu sagen.

**) Es soll ja gerade keine Auseinander-Setzung sein

***) Hermann Hesse, "Stufen"

Montag, 31. Januar 2022

Geburtstag in diesen Zeiten

Vor einigen Tagen hatte mein Mann Geburtstag. An sich hatte seine Tochter mit ihren zwei Mädchen (11 und 15) am Wochenende davor aus dem Westen des Landes zu Besuch kommen wollen. Seit Ende Januar 2020 haben wir uns nicht mehr gesehen. Die drei wollten hier zwei Tage und zwei Nächte bleiben.

Am Tag vor dem angedachten Besuch bekamen wir die Nachricht, dass die jüngste Tochter mit ihrer ganzen Klasse in Quarantäne musste; eine Mitschülerin und drei Lehrerinnen, die in der Klasse unterrichten, waren positiv getestet.
Aus die Maus mit dem Besuch. *)

Keine Extra-Lebendigkeit im Haus. Auch keine Extra-Tätigkeiten wie Extra-Saubermachen, Extra-Bettwäsche-Waschen, Extra-Einkäufe – alles hat seine zwei Seiten. Aber wir haben uns gegenseitig versichert: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Mal sehen, wann es so weit ist.

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Zum Geburtstagskaffee nachmittags kam eine gemeinsame Freundin, die 15 Auto-minuten entfernt wohnt. Auch wir haben einander schon wieder seit Monaten nicht gesehen und nur ganz ab und zu mal telefoniert. In diesen letzten zwei Jahren sind alle sozialen Beziehungen ausgetrocknet.

Schon seit Tagen freute ich mich wie Bolle auf die Abwechslung in unserem täglich gleichen Lebensalltag.

Es war richtig schön, bei Kaffee, Kuchen, Kerzenlicht zusammen zu sitzen und sich zu unterhalten oder eine kleine Weile dem Orgelspiel des Geburtstagskindes zu lauschen. Unsere Freundin mag Orgelmusik sehr, und es gab einen neu erworbenen, französisch-barocken Sampleset der Hauptwerk-Orgel zu bewundern.  Also hörten wir ein paar Teile aus der "Messe pour les Paroisses" von François Couperin.

Eines der Geschenke, das die Freundin mitgebracht hatte, ist ein Bildband aus dem Jahr 1982 mit Fotos aus dem Leben von Menschen in muslimisch geprägten Staaten. Wunderbare Fotos! Richtig großartige Fotokunst. Zuallererst wird mir bewusst, dass ich diesen Bildern noch glauben kann.
Digitale Bearbeitung gab es damals noch nicht. Die Schönheit der abgebildeten Menschen ist ihre wirkliche Schönheit. Viele Szenen mögen auf die eine oder andere Weise gestellt sein; dennoch haben die Bilder eine Seele und eine  authentische Atmosphäre. Noch nie ist mir der Unterschied zur digitalen, professionellen Fotowelt, die uns heute in den Medien präsentiert wird, so deutlich geworden wie beim Betrachten dieser Bilder.

Wie im Flug verging die Zeit. Der Kuchen war verdrückt, die zweite Tasse Kaffee getrunken, und nach niederländischem Ritual wären wir jetzt an den Punkt "Erfrischugnsgetränke und Knabbereien" gekommen im Lauf des Geburtstagsnachmittags. Aber es wurde bereits allmählich dunkel draußen, und unsere Freundin, die die 80 bereits überschritten hat, wollte nicht ganz im Dunkeln fahren müssen. Es half nichts, nach den gerade mal etwas mehr als zwei Stunden wollte sie partout nach Hause. Ohne die früher selbstverständliche Umarmung verabschiedeten wir uns, winkten ihr noch nach.

Das war es dann. Zweieinhalb Stunden, auf die ich mich tagelang gefreut hatte. Eine schöne, eine lebendige Zeit, endlich mal wieder mit jemand zusammensitzen. Aber so schnell vorbei.

Wir waren wieder zu zweit. Zurück in unserem üblichen Alltag. Abgesehen von dem Rest Kuchen und Schlagsahne, die uns morgen und übermorgen an heute erinnern würden.

Am weiteren Geburtstagsabend durfte man gespannt sein, was die niederländische Obrigkeit in Gestalt des Ministerpräsidenten und des Gesundheitsministers in der Pressekonferenz verkünden würden an "Erleichterungen". Die Gerüchteküche blühte schon seit Tagen und erzählte von "Restaurants wieder auf", mit Fragezeichen "Museen wieder auf", auch "Theater und Konzertsäle wieder auf" – aber alles muss um spätestens 20 Uhr schließen. Offenbar hatte - so bissige Kommentare im Radio -  niemand den kulturell banausigen Politikern erzählt, dass Theater und Konzertsäle normalerweise um 20 Uhr öffnen. Unter welchen Bedingungen diese 'Lockerung des Lockdowns' zugestanden werden wird, ist zu jenem Moment noch unklar. **)


"Bedingungen, unter denen der Besuch von kulturellen Veranstaltungen oder der Besuch von Restaurants zugestanden wird".
Wie verrückt ist das denn, mit normal-nüchternen Augen betrachtet?

Viele haben sich daran gewöhnt, einem ständigen Auf und Ab von Einschränkungen, Lockerungen, mehr Einschränkungen, wieder ein paar Lockerungen, Einschränkungen, Zugeständnissen….. unterworfen zu sein. Ich persönlich werde mich niemals daran gewöhnen.

Ich bleibe dabei, das einen sehr irrealen Vorgang zu finden.

Man muss sich das mal mit seinem inneren Bewusstsein von 2019 vorstellen: die Obrigkeit schreibt der Bevölkerung vor, was sie wann darf und nicht darf; wie weit man von anderen Menschen weg stehen oder sitzen muss; ob man im Restaurant essen gehen darf oder nicht; ob Menschen Konzerte erleben, Museen besuchen, in Tiergärten herumschlendern dürfen oder nicht; ob man dem eigenen Kind sonntags beim Fußballspielen zusehen darf oder nicht bzw. ob dies Kind überhaupt Fußballspielen darf.

'Mein Bauch gehört mir' haben Frauen zu Zigtausenden in den 70ern immer wieder gerufen und geschrieben. Mit Erfolg. Keine Frau braucht (in den meisten europäischen Ländern) heute noch ungewollt Mutter zu werden.

 

 

 

Wie wäre es nun mit dem unüberhörbaren Ruf "Meine Lebendigkeit gehört mir"?

 

 



*) Und das war vielleicht auch gut so.
Jüngste Tochter erkrankte dann doch auch, undramatisch. Glücklicherweise ist sie schon auf dem Weg der Besserung.

**) Letztlich darf alles bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Allerdings ist für beinahe alles, auch für Dinge, die vorher ohne zugänglich waren wie z.B. Sport, ein "coronatoegangsbewijs", eine Corona-Eintrittskarte, nötig. Übersetzt in den deutschen Sprachgebrauch: "3g". Bücher ausleihen in der Bibliothek darf man noch ohne. Und Einkaufen und Haareschneiden auch.  

Montag, 6. Dezember 2021

Chancen

Beim letzten Mal habe ich ausführlich von Vielem erzählt, was mein Leben vor dem 13. März 2020 ausgemacht hat. Erzählt, um meine und um Eure Erinnerung daran aufzufrischen, wie ein normales Leben aussieht.

Ich habe es ja selbst erlebt: man vergisst das wahnsinnig schnell. Vor allem vergisst man enorm schnell, wie es sich angefühlt hat. 

Schon ist vergessen, wie das Gefühl war in jenem Leben ohne die ganzen Zwänge, Beschränkungen und Angstmacherei, ohne das ganze Panikschüren, ohne diese immer kräftiger angeheizte Spaltung zwischen den Menschen, ohne die massenhaften und haltlosen Schuldzuweisungen.

Schon ist vergessen, wie es sich anfühlte, Erkältungssymptome zu spüren, und dabei an nichts anderes als an "Schnupfen und Husten" zu denken.

Schon ist es vergessen, wie es sich anfühlte, einfach drauflos zu leben. 

Wie es sich anfühlte zu leben ohne die in allen Medien immer wieder ausgemalten Schreckens-szenarios. Wie es sich anfühlte, zu leben ohne diese allzeit und allgegenwärtig dargestellte Bedrohtheit der Gesundheit als das vorgeblich Eigentliche und ohne den omnipräsenten Fokus auf ein potentiell hinter jeder Ecke lauerndes Ende des Lebens unter schaurigen Umständen.

Schon ist vergessen, wie es sich anfühlte, Gesundsein als den Normalzustand eines Lebens anzusehen, auf den der Mensch im Allgemeinen vertrauen kann. Und Krankheit als die – in unendlich vielen Fällen heilbare - Ausnahme zu betrachten.

Schon vergessen ist auch, wie es sich anfühlte, zur Begrüßung einander die Hand zu reichen. Jeden Menschen, mit dem man eine Weile zusammensaß oder stand, zu Beginn der Begegnung durch diesen Händedruck zu erfühlen.

Jedoch ist nicht nur Verlust, was in den letzten 21 Monaten sich entwickelt hat. Manches ist auch neu in mein, in unsere Leben gekommen.

Da sind zuallererst unzählige Online-Veranstaltungen, von denen ich im Rahmen dieses Blogs immer wieder auch erzählt habe. Ich bin völlig geplättet davon, wie viele Menschen inzwischen in irgend einer Weise im weitesten Sinn geistig, spirituell unterwegs sind. Wie viele von ihnen ihre Erfahrungen, ihr Wissen teilen. Wie viele Wege sichtbar geworden sind, zu sich, in die Stille zu kommen. Und sie alle sind inzwischen einfach so verfügbar. Ganz, ganz oft auch kostenlos. Keine Reisen mehr sind nötig zu irgendwelchen Ashrams, keine Reisen zu Seminaren, keine Geheimhaltungspflicht mehr. Die Information ist verfügbar und zugänglich.
Allerdings bin ich zunächst einmal mit all dem allein, und es liegt vollkommen in meiner eigenen Verantwortung, was ich damit tue. Aber auch das ist schon eines der neuen Dinge im Leben: vermehrte Eigenverantwortlichkeit nehmen.

Und so hat sich in den letzten 21 Monaten allmählich in meinem Tun und Lassen manches verändert.

Meditation in irgendeiner Weise – mit ganz verschiedenen Techniken – ist mir tatsächlich zur beinahe täglichen Gewohnheit geworden. Und sei es mit Mikrostillemomenten, Zwischendurch-Atemübungen, beispielsweise während der eineinehalbminütigen Wartezeit mit Finger auf dem Tränenkanal nach den allabendlich zu nehmenden Augentropfen.

Meinen ehemaligen morgendlichen Automatismus: 'Radio an und auf hr2-online das Kulturfrühstück anhören, während ich mein eigenes Frühstück mache und verzehre' habe ich ersetzt durch das Anhören/Ansehen von interessanten Videos meiner bevorzugten Sprecherinnen, sei es via youtube, sei es aus einem der vielen Online-Kongresse, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Anstatt mir den Morgen durch aktuelle Meldungen zu verbittern, die bereits in Jahren vor 2020 die ehemals anspruchsvolle Kultursendung verwässert hatten und immer mehr Raum einnahmen, durchlichte ich den Start in den Tag durch angenehme, inspirierende Vorträge, Kommentare und Interviews.

Dann gibt es die wundervolle Plattform liebevoll.jetzt mit ihren zahlreichen Begegnungsmöglichkeiten und Online-Veranstaltungen, vom virtuellen Café über meditative Begegnungen bis zu den Fragestunden mit Gerald Hüther.

Letztes Frühjahr begegnete mir der inspirierende Friedenszirkel, eine Initiative von AntoinetteHaering. Durch die gedanklichen, in ein spezielles Tagebuch aufgeschriebenen Gespräche mit verschiedenen inneren Anteilen, die zu den "Hausaufgaben" zwischen den Sitzungen gehören, habe ich schon viel über mich begriffen. Und die Online-Treffen selbst geben mir jedes Mal sehr viel. Auch hier stehe ich in einer anderen, ruhigeren, stabileren Verfassung vom PC auf als ich mich vor dem Treffen hingesetzt hatte.

Gleiches gilt für die Heilmeditationen mit Steffen Lohrer. Die jetzt, im erneut mehr oder weniger Lockdown-Winter wieder durch regelmäßige Livestreams ergänzt werden, in die die Heilmeditationen integriert sind. Tut einfach nur gut.

Insgesamt stelle ich fest, dass viele Menschen begonnen haben, sich gut um sich selbst, um ihr Selbst zu kümmern, gut für sich selbst zu sorgen. Immer intensiver üben, in ihrer Mitte zu bleiben. Viel, viel mehr als vor der  Krise. Und das Schöne ist: sie sprechen darüber mit einander. Teilen die Erfahrungen mit einander.

Das alles ist sehr belebend und  die innere Entwicklung sehr fördernd.
Aber eben – digital.

Was tatsächlich enorm abgenommen hat in meinem Leben ist die echte Begegnung mit Menschen. Und gerade jetzt brechen von den wenigen Gelegenheiten noch welche weg, weil Menschen lieber sicher gehen und sich darum lieber nicht mit anderen zwei Stunden in einen Raum setzen wollen.

Doch diese Begegnungen von Mensch zu Mensch fehlen. Sie fehlen wirklich.

Für mich selbst habe ich da noch keine gute Lösung gefunden. Bekomme ich doch meist nicht mal einen Besuch 'auf einen Kaffee' in der Nachbarschaft oder mit der Freundin im Nachbarort auf die Reihe.

… eine der Aufgaben für die kommende Zeit….

 

Oh ja, und ich mache es wirklich:

Bei jedem Schluck Wasser, den ich bewusst trinke (es gibt auch Momente, da stürze ich ein paar Schluck Wasser zwischendurch herunter…), denke ich "Ich bin im Frieden. Die Welt ist im Frieden". Oder auch mal "Ich bin in der Liebe. Die Welt ist in der Liebe." Oder "Ich bin Licht. Die Welt ist Licht."

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Erinnerungen

Auf dem Rückweg vom Einkaufen in Winschoten begann es in mir zu sinnieren darüber, wie still und zurückgezogen mein Leben sich jetzt abspielt. Eigentlich sehe ich – außer meinem Mann, mit dem ich gerade im Auto saß – kaum andere Menschen. So werden die mit meinen Einkäufen zusammenhän-genden Gespräche mit den Mitarbeiterinnen des Bio-Ladens schon beinahe zum  Highlight der Woche.

Daraufhin versuchte ich mich zu erinnern, wie mein, wie unser Leben bis einschließlich Februar 2020 ausgesehen hat. War es da eigentlich auch schon so einsam, wie es sich heute anfühlt?

Ich erschrak heftig, als ich merkte, dass ich mich gar nicht mehr richtig entsinnen kann, wie es war. Was für ein Lebensgefühl ich damals (es ist nur 21 Monate her! und ich schreibe damals!) hatte. Wie mein, wie unser Alltag damals aussah.
Etwas hilflos fragte ich meinen Mann, ob er mir behilflich sein könne beim Nachdenken. Gemeinsam tragen wir ein paar Dinge zusammen.

Foto aufgenommen in einer Ausstellung im Museum für Kommunikation,
Frankfurt am Main März 2020

Da waren zum Einen die regelmäßigen Fahrten und längeren bis langen Aufenthalte in Frankfurt.
Dort unternahm ich natürlich alles Mögliche, ging Bummeln in der Stadt, Spazieren am Main, Fahrradfahren; besuchte Museen, Konzerte, hörte montags und donnerstags 30 Minuten Orgelmusik in der Katharinenkirche, verabredete mich, traf Menschen, ging Essen. Machte Einkäufe, ergänzte Vorräte zum Mitnehmen in die Niederlande von Dingen, die hier nicht oder nur sehr teuer zu bekommen sind.
Und natürlich waren waren da die Reisen selbst, 7 bis 8 Stunden Bahnfahrt mit zwei bis drei Mal umsteigen. Reisen, die ich immer sehr genoss, obwohl sie anstrengend waren. Es war schön, gemütlich im reservierten Abteil zu sitzen und durchs Land zu sausen.

Wöchentlich traf ich meine Damen von Actief 50+, mit denen ich mich bei "Tänzen aus aller Welt" eine gute Stunde lang tanzend im Kreise drehte. Danach saßen wir noch ein Viertel- bis ein halbes Stündchen zusammen bei Kaffee und Tee.
Zu meinen monatlich stattfindenden spirituellen Gruppen in Groningen fuhr ich selbstverständlich öffentlich; es machte mir nix aus, umzusteigen und insgesamt eine gute Stunde unterwegs zu sein. So what!
Mit unserer Freundin aus dem Nachbarort machte ich ein paar Mal im Jahr mit dem Zug eine Tour zu einer interessante Sonderausstellung eines Museums
irgendwo hier im Land. Mit den speziellen Senioren-Tageskarten, die man zu bestimmten Jahreskarten hinzuerwerben kann, können wir alle zwei Monate einen ganzen Tag lang kreuz und quer bahnfahren, und zwar in der 1. Klasse. Davon machten wir gerne Gebrauch.
Manchmal stieg ich auch einfach so in den Zug, z.B. wenn ich die See sehen wollte. Dann fuhr ich nach Harlingen in Friesland, von wo aus die Fähren nach Terschelling und Vlieland fahren, und wo man – im Gegensatz zu Delfzijl, das ja am Dollart liegt – "richtig" das Wattenmeer sehen, fühlen und riechen kann. Oder ich fuhr nach ebenjenem Delfzijl, um auf dem Dollartdeich Spazieren zu gehen.

Ein paar Mal im Jahr reisten mein Mann und ich in den Westen des Landes, wo seine Tochterfamilie lebt, seine Schwester lebt, einige Freunde von früher leben. Wir übernachteten ein oder zwei Mal und machten Besuche. Geburtstage, Ostern, Weihnachten waren eigentlich selbstverständliche Gelegenheiten hierfür.
Regelmäßig besuchten wir auch Orgelkonzerte in der näheren (fußläufig oder Fahrradabstand) oder weiteren Umgebung.

Die monatlichen Sitzungen des Dorpsraad fanden im Bürgerhaus statt, antelle, wie jetzt, online. Es gab  kürzlich zwei Monate, in denen wieder 'echte' Sitzungen stattfinden durften – allerdings unter 3g-Bedingungen. Das verdarb den Spaß schon.
Die Arbeitsgruppe des Museums tagte monatlich, und wir 'bastelten' begeistert an unserem nächsten Projekt für Gruppen-Besuche von Schulklassen. Die Gruppenbesuche gibt es nicht mehr, es ist auch nicht abzusehen, wann sie je wieder werden stattfinden dürfen, weil beim aktiven Erkunden des Museums in Kleingruppen die 1,5 m nicht eingehalten werden können, und überhaupt. Die Arbeitsgruppe pausiert.

Und so wie diese letzten beiden Dinge, ist auch alles andere mehr oder weniger weggebrochen.
Die niederländische Familie habe ich im Januar 2020 zum letzten Mal gesehen. Mein Mann hat diesen Sommer, im damals sich sicher wähnenden Gefühl des Geimpftseins, nochmal eine zweitätige Reise nach Westen gemacht. Ich blieb hier, mir ist viel Fitness abhanden gekommen durch den C-Wahnsinn.
Meine Reisen mit Bahn und Bus musste ich nach Einführung der Maskenpflicht einstellen. Schon die
20 Minuten Maske-auf bis Groningen halte ich kaum aus – eine bis mehrere Stunden in Zug und Bus wären für mich nicht machbar.
Die spirituellen Gruppen, immer schon im privaten Rahmen, finden nach einer größeren Pause wieder statt – sie haben jeweils so wenige Mitglieder, dass es auch im Rahmen der aktuellen Verschärfungen noch möglich ist. Unterscheidungen nach "geimpft – ungeimpft", wie das wohl in Deutschland der Fall ist, gibt es hier nicht. Allerdings bin ich drauf angewiesen, dass mein Mann mich bringt und holt – die lange Fahrzeit im ÖPNV würde ich maskiert nicht durchstehen.
Der Tanzkreis "Pausiert" wieder. Es gab ein kurzes Wiederaufleben im Frühherbst unter 3g-Bedingungen, bis jetzt im Rahmen der "4. Welle" (oder ist es die 5.? oder 6.? ich hab den Überblick verloren) alles wieder abgesagt wurde.

Undsoweiter. Undsoweiter.
Alles futschikato kaputo.

Und es sieht so aus, als würden wir noch eine Weile so leben müssen. Manchmal ist das furchtbar kahl.

Gegen dies Kahlheitsgefühl können kleine Übungen helfen. Atemübungen mache ich sowieso immer mal zwischendurch um mich wieder zu zentrieren. 

Die folgenden beiden Gedanken-Spiele helfen, innerlich eine freundliche, optimistische Stimmung zu kreieren. Ich habe die Anregung im letzten Friedenszirkelmitgeschrieben – und, muss ich schamrosa gestehen – erst aktuell in meinem Buch wiedergefunden. Aber ab jetzt werde ich sie wirklich immer wieder machen, mir einen erinnernden Zettel auf den Schreibtisch legen:

  • Denke bei jedem Schluck Wasser, den Du trinkst:
    Ich bin im Frieden (in der Liebe; bin Licht)

    Die Welt ist im Frieden (in der Liebe; voller Licht)
  •  Kreiere deine Vision der Welt, in der Du leben willst. Stelle sie Dir so lebendig wie möglich vor.
    Stelle Dir so viel wie möglich das alltägliche Leben vor.

    Du kannst Dir z.b. folgende Fragen stellen, um das innere Bild so richtig lebendig werden zu lassen:

    Wie würde das denn konkret aussehen, ….

    - beim Bäcker; wie stellt er seine Waren her, was stellt er her, wo kommen die Rohstoffe her…  
    - wie ich zu meinen Lebensmitteln komme;
      was esse ich, wo kommt es her, wie kommt es zu mir…

    - wie ich zu Kleidungsstücken komme, zu Materialien für Kleidung

    - wie bewegt man sich fort?

    - wie gehen die Leute mit einander um?

    - was mache ich so den Tag über, was machen andere den Tag über?

    - wie ist die Atmosphäre?

    - mit wem gehe ich um?

    - wie findet Energieausgleich statt? Gibt es ein Tauschmittel?

    Der Phantasie sind hier keinerlei Grenzen gesetzt.

Beide scheinen mir in der Phase des Ganzen, in der wir uns gerade jetzt befinden, besonders wichtig zu sein. Es gilt, dem zunehmenden Chaos aus Druck, Panik, Polarisierung etwas entgegen zu setzen. Auch oder vielleicht gerade auf der gedanklich-emotional-geistigen Ebene.

Viel gelesen