Beim letzten Mal
habe ich ausführlich von Vielem erzählt, was mein Leben vor dem 13. März 2020 ausgemacht hat. Erzählt, um meine und um Eure Erinnerung daran aufzufrischen, wie ein
normales Leben aussieht.
Ich habe es ja
selbst erlebt: man vergisst das wahnsinnig schnell. Vor allem vergisst man
enorm schnell, wie es sich angefühlt hat.
Schon ist vergessen, wie
das Gefühl war in jenem Leben ohne die ganzen Zwänge, Beschränkungen und Angstmacherei, ohne
das ganze Panikschüren, ohne diese immer kräftiger angeheizte Spaltung zwischen den Menschen, ohne die massenhaften und haltlosen Schuldzuweisungen.
Schon ist vergessen, wie es sich anfühlte, Erkältungssymptome zu spüren, und dabei an nichts
anderes als an "Schnupfen und Husten" zu denken.
Schon ist es
vergessen, wie es sich anfühlte, einfach drauflos zu leben.
Wie es sich anfühlte zu leben ohne die in allen Medien immer wieder ausgemalten
Schreckens-szenarios. Wie es sich anfühlte, zu leben ohne diese allzeit und allgegenwärtig
dargestellte Bedrohtheit der Gesundheit als das vorgeblich Eigentliche und ohne
den omnipräsenten Fokus auf ein potentiell hinter jeder Ecke lauerndes Ende
des Lebens unter schaurigen Umständen.
Schon ist vergessen, wie es sich anfühlte, Gesundsein als den Normalzustand eines Lebens anzusehen,
auf den der Mensch im Allgemeinen vertrauen kann. Und Krankheit als die – in unendlich vielen Fällen heilbare - Ausnahme zu betrachten.
Schon vergessen ist auch, wie es sich anfühlte, zur Begrüßung einander die Hand zu reichen. Jeden Menschen, mit dem man eine Weile zusammensaß oder stand, zu Beginn der Begegnung durch diesen Händedruck zu erfühlen.
Jedoch ist nicht
nur Verlust, was in den letzten 21 Monaten sich entwickelt hat. Manches ist auch neu
in mein, in unsere Leben gekommen.
Da sind
zuallererst unzählige Online-Veranstaltungen, von denen ich im Rahmen dieses
Blogs immer wieder auch erzählt habe. Ich bin völlig geplättet davon, wie
viele Menschen inzwischen in irgend einer Weise im weitesten Sinn geistig, spirituell
unterwegs sind. Wie viele von ihnen ihre Erfahrungen, ihr Wissen teilen. Wie
viele Wege sichtbar geworden sind, zu sich, in die Stille zu kommen. Und sie
alle sind inzwischen einfach so verfügbar. Ganz, ganz oft auch kostenlos. Keine Reisen mehr sind nötig zu irgendwelchen Ashrams, keine Reisen
zu Seminaren, keine Geheimhaltungspflicht mehr. Die Information ist verfügbar
und zugänglich.
Allerdings bin ich zunächst einmal mit all dem allein, und
es liegt vollkommen in meiner eigenen
Verantwortung, was ich damit tue. Aber auch das ist schon eines der neuen Dinge im Leben: vermehrte Eigenverantwortlichkeit nehmen.
Und so hat sich in
den letzten 21 Monaten allmählich in meinem Tun und Lassen manches verändert.
Meditation in
irgendeiner Weise – mit ganz verschiedenen Techniken – ist mir tatsächlich zur beinahe
täglichen Gewohnheit geworden. Und sei es mit Mikrostillemomenten, Zwischendurch-Atemübungen,
beispielsweise während der eineinehalbminütigen Wartezeit mit Finger auf dem
Tränenkanal nach den allabendlich zu nehmenden Augentropfen.
Meinen ehemaligen
morgendlichen Automatismus: 'Radio an und auf hr2-online das Kulturfrühstück
anhören, während ich mein eigenes Frühstück mache und verzehre' habe ich
ersetzt durch das Anhören/Ansehen von interessanten Videos meiner bevorzugten
Sprecherinnen, sei es via youtube, sei es aus einem der vielen Online-Kongresse,
die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Anstatt mir den Morgen durch
aktuelle Meldungen zu verbittern, die bereits in Jahren vor 2020 die ehemals anspruchsvolle Kultursendung verwässert hatten und immer mehr Raum einnahmen, durchlichte
ich den Start in den Tag durch angenehme, inspirierende Vorträge, Kommentare
und Interviews.
Dann gibt es die
wundervolle Plattform
liebevoll.jetzt mit ihren zahlreichen Begegnungsmöglichkeiten
und Online-Veranstaltungen, vom virtuellen Café über meditative Begegnungen bis
zu den Fragestunden mit Gerald Hüther.
Letztes Frühjahr begegnete
mir der inspirierende Friedenszirkel, eine Initiative von AntoinetteHaering. Durch die gedanklichen, in ein spezielles Tagebuch aufgeschriebenen
Gespräche mit verschiedenen inneren Anteilen, die zu den "Hausaufgaben"
zwischen den Sitzungen gehören, habe ich schon viel über mich begriffen. Und
die Online-Treffen selbst geben mir jedes Mal sehr viel. Auch hier stehe ich in
einer anderen, ruhigeren, stabileren Verfassung vom PC auf als ich mich vor dem
Treffen hingesetzt hatte.
Gleiches gilt für
die Heilmeditationen mit Steffen Lohrer. Die jetzt, im erneut mehr oder weniger
Lockdown-Winter wieder durch regelmäßige Livestreams ergänzt werden, in die die
Heilmeditationen integriert sind. Tut einfach nur gut.
Insgesamt stelle
ich fest, dass viele Menschen begonnen haben, sich gut um sich selbst, um ihr
Selbst zu kümmern, gut für sich selbst zu sorgen. Immer intensiver üben, in ihrer
Mitte zu bleiben. Viel, viel mehr als vor der
Krise. Und das Schöne ist: sie sprechen darüber mit einander. Teilen die
Erfahrungen mit einander.
Das alles ist sehr
belebend und die innere Entwicklung sehr
fördernd.
Aber eben –
digital.
Was tatsächlich
enorm abgenommen hat in meinem Leben ist die echte Begegnung mit Menschen. Und
gerade jetzt brechen von den wenigen Gelegenheiten noch welche weg, weil Menschen
lieber sicher gehen und sich darum lieber nicht mit anderen zwei Stunden in
einen Raum setzen wollen.
Doch diese
Begegnungen von Mensch zu Mensch fehlen. Sie fehlen wirklich.
Für mich selbst
habe ich da noch keine gute Lösung gefunden. Bekomme ich doch meist nicht mal
einen Besuch 'auf einen Kaffee' in der Nachbarschaft oder mit der Freundin im
Nachbarort auf die Reihe.
… eine der
Aufgaben für die kommende Zeit….
Oh ja, und ich
mache es wirklich:
Bei jedem Schluck Wasser, den ich bewusst trinke (es gibt auch Momente, da stürze
ich ein paar Schluck Wasser zwischendurch herunter…), denke ich "Ich bin
im Frieden. Die Welt ist im Frieden". Oder auch mal "Ich bin in der Liebe.
Die Welt ist in der Liebe." Oder "Ich bin Licht. Die Welt ist
Licht."