Mitte März bis 10. April 2020 täglich. Ab 11. April 2020 erscheinen die Beiträge jeden zweiten Tag. Ab Montag, 22. Juni 2020 immer Montag und Donnerstag abends. Ab Montag, 13. Dezember 2021 am Montagabend nach 22 Uhr.


Posts mit dem Label seelische Grausamkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label seelische Grausamkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 29. November 2021

Erschrecken

Erschrecken


Vor einigen Tagen flimmerte ein Textbeitrag über meine Mattscheibe, der in seinem Kern zurückgeht auf Untersuchungen von Albert Biderman aus dem Jahr 1957 mit der Fragestellung, warum so viele US-Kriegsgefangene in Korea in Gefangenschaft mit ihren Kerkermeistern kooperierten.


Zitiert wurde darin in einer freien Übersetzung das von Biderman so genannte "Diagramm des Zwangs", enthaltend acht Maßnahmen gegenüber den Gefangenen, die eingesetzt wurden, um deren Willen zu brechen. Amnesty International stellte später, 1973, in einem Bericht über Folter fest, dass Bidermans Diagramm des Zwanges "universelle Werkzeuge von Folter und Zwang" auflistet, d.h. diese Art Folter und Zwang wird von autoritären Regimes weltweit angewendet.

Als ich die einzelnen Schritte in diesem Diagramm des Zwangs so vor mir sah und las, wurde mir schlecht.
Es schien, als ob darin alles aufgeschrieben sei, was wir überall auf der Welt seit 21 Monaten mitmachen und durchmachen.
Offenbar bin ich nicht die Einzige, die das so sieht. Zahlreiche aktuelle Veröffentlichungen im World Wide Web zitieren dies Diagramm und beziehen sich darauf. Ich greife einen Blogbeitrag vom 5. Dezember 2020 heraus sowie einen Artikel von vor ein paar Tagen aus einer österreichischen, kritischen Zeitung 

Die Soziologin in mir kann nicht anders, als die Parallelen ebenfalls wahrnehmen.
Im Folgenden gebe ich die acht, in den Zeitungsartikeln auf sieben reduzierten Schritte wider, übersetzt aus der englischsprachigen Originalquelle. In Klammern Ergänzungen zum besseren Verständnis, von mir hinzugefügt.

1. Isolation
Beraubt das Opfer jeglicher sozialer Unterstützung und seiner Fähigkeit zum Widerstand.
Stimuliert eine intensive Beschäftigung mit sich selbst. Macht das Opfer vom Verhörenden abhängig.

2. Monopolisierung der Wahrnehmung
Lenkt die Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Notlage. Fördert die Introspektion.
Eliminiert Reize, die mit denen konkurrieren, die der Bewacher kontrolliert.
Verhindert alle Handlungen, die nicht mit der Einhaltung der Vorschriften vereinbar sind.

3. Induzierte Entkräftung und Erschöpfung
Schwächt die geistige und körperliche Widerstandsfähigkeit.

4. Bedrohungen (Androhung von negativen Folgen, Strafen, Gewalt bei Nichteinhaltung von Regeln)
Erzeugt Angst und Verzweiflung.

5. Gelegentliche Gefälligkeiten, Nachsicht, Zugeständnisse
Bietet eine positive Motivation zur Einhaltung der Vorschriften.
Erschwert das Sich-Gewöhnen an Entbehrungen.

6. Demonstration von 'Allmacht' und 'Allwissenheit'
Suggeriert Vergeblichkeit von jeglichem Widerstand.

7. Degradierung, Entwürdigung
'Kosten' von Widerstand schaden dem Selbstwertgefühl mehr als Kapitulation.
Reduziert den Gefangenen auf 'tiergleiche' Verhältnisse (zwingt ihn in den Überlebensmodus).

8. Durchsetzung trivialer Forderungen
Hat zur Folge, dass Folgsamkeit als Gewohnheit entwickelt wird.

Diese Stufen und ihre psychischen Folgen so aufgeschrieben zu sehen, hat mich erschreckt.
Und in mir – wieder einmal – ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein hervorgerufen.

Was kann ich tun, um dies Gefühl, nachdem ich es wahrgenommen und begriffen habe, zum Weiterziehen zu bewegen?
Ich konzentriere mich auf Liebe. Und zitiere nun eine ganz bezaubernde Geschichte, die ich ebenfalls auf vielen Seiten im www gefunden habe, und die mir in einem Newsletter zugeschickt wurde.

Was ist die Liebe?


Die fünfjährige Veronika fragte ihren Vater, ob er ihr erklären könne, was die Liebe sei? Der Mann meinte verlegen: "Seitdem deine Mutter und ich uns getrennt haben, kann ich das nicht mehr sagen. Ich dachte, das wäre die Liebe gewesen, doch ich hab mich wohl getäuscht."

Daraufhin befragte die Kleine ihre Mutter, diese konnte ihr die Frage auch nicht beantworten und meinte nur: "Frag deinen Papa."
Im Kindergarten fragte sie ihre Erzieherin, ob sie wüsste, was die Liebe sei? Diese sagte ihr lächelnd: "Liebe ist ein Geschenk und wenn du groß bist, wirst du sie hoffentlich kennenlernen." Auf die weitere Frage, ob man Liebe auch kaufen könne, antwortete sie: "Nein. Doch es gibt Menschen, die denken, dass Liebe käuflich sei."

Egal, wen Veronika nach der Liebe fragte, nie bekam sie eine Antwort, die sie zufriedenstellte.
Doch irgendjemand musste ihr doch erklären können, was die Liebe ist.

Sie fragte ihre neue Tagesmutter, ob sie wüsste, was die Liebe sei?
"Ja, natürlich weiß ich, was die Liebe ist", und das Kind wurde ganz hellhörig, "Liebe kannst du nur bekommen, wenn du auch Liebe gibst. Dann klopft dein Herz ganz wild und fühlt sich bunt und warm an." Veronika fragte, was mit dem Herz passiert, wenn man alleine ist? Traurig antwortete die Ältere: "Dann fühlt sich das Herz wieder farblos, leer und kalt an."

In den Ferien besuchte Veronika ihre alte Großmutter. Sie dachte, dass doch die Oma wissen müsse, was die Liebe ist. Immerhin sei diese schon über fünfzig Jahre lang glücklich verheiratet.

Die Oma lächelte, als ihr die Kleine die Frage stellte. Sie ging schnell ins Haus und kam mit einer kleinen, alten
Schatztruhe wieder zurück:
"Schau hinein und du wirst die Antwort auf deine Frage finden."
Veronika öffnete vorsichtig die Truhe. Sie sah darin einen Spiegel.

"Schau dich an", forderte die Oma sie auf, "du hast die Liebe in dir selbst. Dein Herz strahlt in den schönsten Farben und du darfst dich immer selber lieben, und zwar genau so, wie du bist. Jeder, der sich selbst liebt, strahlt dies aus und zieht Menschen an, die ihn lieben können. Die Liebe ist im
mer in dir, denk daran mein Kind."

Donnerstag, 6. Mai 2021

Traurig

Vor einiger Zeit erreichte uns ein grauer Briefumschlag mit grauer Trauerbriefmarke. Die
Adresse handgeschrieben mit einer für uns beide unbekannten Handschrift, wie in solchen Fällen üblich, ohne Absender. In unserem Alter entsteht dann sofort die Frage: wer von unseren Bekannten, den entfernteren Verwandten meines Mannes oder wer von seinen Freunden mag verstorben sein? Ein beklemmendes, bangendes Gefühl macht sich breit.

Ein betagter, aber noch nicht hochbetagter Freund meines Mannes in Brabant, den wir im vergangenen Sommer noch besucht haben, hat nun doch diese Welt verlassen. Wir sind beide betroffen, traurig, nachdem wir die Nachricht gelesen haben. Lebendig ist die Erinnerung an diesen kurzen Nachmittag zu viert im kühlen Haus bei äquatorialen Außentemperaturen. Ach, er hatte so viele Pläne und war so zuversichtlich über seine Zukunft.

Normalerweise wären wir selbstverständlich zur Trauerfeier nach Brabant gefahren. Deren Ort steht aber gar nicht auf der Trauerkarte. Statt dessen steht an der dafür üblichen Stelle ein Link und der Hinweis: sie können am soundsovielten um soundsoviel Uhr der Trauerfeier hier online folgen. Die eingedruckte Linkadresse beginnt mit der Website-Adresse des landesweit agierenden Bestattungs-unternehmens und enthält dann individuelle Kennziffern.

Eine gestreamte Trauerfeier?

Natürlich sitzen wir zum angegebenen Zeitpunkt gemeinsam vorm Notebook, um virtuell teilzunehmen und in unserem Innern Abschied von diesem wunderbaren Menschen zu nehmen.

Mit professioneller Kameraführung und Schnitten wird die Trauerhalle gezeigt, in der die wenigen geladenen Teilnehmer allmählich eintreffen. Coronaproof mit Masken, und sie werden in großem Abstand zu einander von den Mitarbeiterinnen des Bestatters – auch maskiert natürlich -  empfangen und plaziert. Die Familie ist schon da, und auchFamilienmitglieder sitzen coronaproof von einander entfernt. Nur die Witwe und einige der erwachsenen Kinder und jungendlichen Enkel sitzen etwas dichter bei einander.

Nun wird der Sarg hineingefahren. Alle stehen auf. Sargbegleiter sind die erwachsenen Enkelsöhne und Söhne des Verstorbenen. Ein überaus befremdlicher Anblick, alle mit Maske vor Mund und Nase.

Der Sarg bekommt vorne in der Mitte seinen Platz. Sargbukett. Blumenschmuck. Kerzen. Alles wie man es gewohnt ist. Ein Foto des Verstorbenen aus dem letzten oder vorletzten Jahr, das sein Wesen wunderbar eingefangen hat, steht auf einer Staffelei daneben, auch das wie bei einer Trauerfeier hier üblich. Befremdlich ist nur, dass wir den Duft der Blumen nicht riechen, auch nicht das verbrennende Wachs der Kerzen. Befremdlich ist, dass wir die Atmosphäre der Anwesenden nicht spüren und der Klang der abgespielten Musik aus unseren kleinen Notebook-Zusatzlautsprechern kommt. Und dass wir gemeinsam auf unseren Esszimmerstühlen am Esstisch sitzen und auf den Bildschirm des Notebooks starren.

Es ist eine nicht-religiöse Beerdigung. Anders als in Deutschland, spricht dann kein Trauerredner, der irgendwie die Rolle des Pfarrers einnimmt. Die als Zeremonienmeisterin fungierende Angestellte des Bestatters sagt einleitende Worte, und dann nehmen Familienmitglieder – Kinder und Enkel – mit jeweils eigenen Texten Abschied von Vater und Opa und gedenken seiner, vor allem indem sie erzählen, wie ihre spezielle Beziehung war.

Die Kamera wird in relative Nahaufnahme auf die Sprechenden gezoomt. Natürlich fließen Tränen, brechen Stimmen, können Sätze nicht zuende gesprochen werden, weil die Emotion die Angehörigen übermannt. Das sehen wir nun groß auf dem Bildschirm und hören es sehr direkt, viel deutlicher als wir das gesehen und gehört hätten, wenn wir in der Trauerhalle gesessen hätten.

Möchte ich das? Möchte ich so nah Auge in Auge mit den mühsam in Schach gehaltenen Emotionen der den Verlust betrauernden Familienmitglieder in Kontakt kommen? Emotionen von Menschen, die ich nie gesehen habe, zu denen ich keine persönliche Beziehung habe, die ich wohl auch nie von Angesicht zu Angesicht sehen werde. Selbst wenn wir irgendwann nach Brabant kommen und die Witwe besuchen, würden wir aller Wahrscheinlichkeit nach niemand von ihnen treffen. Und wenn doch – wie würde sich das anfühlen, nachdem ich via Livestream so an ihren intimsten Emotionen teilgenommen habe?

Irgendwann hat die Zeremonienmeisterin wieder das Wort und erzählt in kurzen Worten über die letzten Wochen des Verstorbenen. Wie es ihm ging, welche Erkrankung schließlich den Tod mit sich brachte.

Immer wieder muss ich schlucken, fühle meine eigene Traurigkeit auftauchen, Tränen aufsteigen. Ich hätte diesem verstorbenem Freund meines Mannes noch all die Jahre gegönnt, die er noch hatte erleben wollen. Und, wie immer bei Beerdigungen, ist es auch Traurigkeit über die eigene Vergänglichkeit. Über die Zerbrechlichkeit des Lebens. Über die Zerbrechlichkeit von allem. Alles, was gerade noch verlässlich und sicher sich anfühlt, ist immerwährendem Wandel unterworfen. Kann im nächsten Augenblick ganz anders sein. Abschiede stehen andauernd an.

Ich denke an Prediger Kapitel 3: Alles hat seine Zeit.

Dann erscheint eine ausführliche Präsentation mit Fotos aus dem Leben des Verstorbenen auf dem Bildschirm. Familienfotos. Der gesamte Lebensweg in Bildern. Mit Musik untermalt, die er liebte. Die Menschen in der Trauerhalle sehen dies wahrscheinlich auf einem großen Bildschirm, der irgendwo im Raum hängt. Im Livestream wird die Präsentation direkt abgespielt. Wieder fehlt das atmosphärische Gefühl der anderen Anwesenden, das Gefühl der Räumlichkeit. Und wir Zuschauer zuhause, oder sind wir doch Mitgedenkende?, werden sehr direkt im Vollbild hineingezogen in dies nun abgeschlossene Leben, an dem mein Mann auch als Freund und ehemaliger Nachbar doch nur einen peripheren Anteil hatte. Wir sehen sehr persönliche Szenen der Familie, Urlaubsfotos, das junge Paar beim Tanzen, das gereifter gewordene Paar beim Tanzen, Kinderfotos, Festfeierfotos, Karnevalsfotos (Brabant ist, wie die Provinz Limburg, Karnevalshochburg – im Rest von NL wird Karneval eher nicht gefeiert), Weihnachtsfotos. Ganz dicht, ganz nah, in unserem Wohnzimmer, am Esstisch sitzend.

Und wieder frage ich mich: will ich das? Es fühlt sich nicht richtig an, so intim teilzunehmen an diesem vergangenen Familienleben. Auch wenn die Familie sich entschieden hat, es zu teilen.

Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich das als Anwesende in der Trauerhalle auf einem entfernt stehenden Bildschirm sehe. Oder ob es mir so direkt im Vollbild ins eigene Wohnzimmer gesendet wird. Wir lernen den verstorbenen Freund meines Mannes besser kennen, als er ihn je gekannt hat und sowieso näher, als ich diesen Freund meines Mannes je hätte kennenlernen können. Ob sich die Familie dieser Tatsache bewusst ist? Des Unterschieds bewusst ist, den es macht, diese Präsentation so distanzlos, so hautnah zu erleben?

Es ist bei aller Berührtheit eine seltsame Erfahrung, so eine Trauerfeier im Livestream. Genauso seltsam wie die sparsamen Gesten der Anteilnahme und wenigen, beinahe schüchternen Berührungen der Familienmitglieder untereinander, immer zerrissen zwischen Abstandhaltenmüssen (das 1,5-Meter-Absperrband im Kopf) und einander stützen wollen, einander nah sein wollen.

Man kann sagen: eine schöne Sache, dass es das gibt, solche Trauerfeier-Livestreams. So können alle, die es wollen, doch noch auf irgendeine Weise des verstorbenen Freundes, entfernten Verwandten, Bekannten, Nachbarn, Vereinsbruders, gedenken.

Bei mir überwiegt trotz allem ein ungutes Gefühl. So etwas ist – obwohl für die in der Trauerhalle Anwesenden voll von tiefen emotionalen Erfahrungen – für mich als PC-TV-Zuschauer fahl. Wie ein Film. Leben aus zweiter Hand. Ausgerechnet da, wo es um den Abschied aus dem Leben geht.

Ich bin traurig. Nicht nur über den Verlust des Freundes. Nicht nur über seinen doch irgendwie für uns Außenstehende unzeitigen Tod. Nicht nur über die Endlichkeit des Lebens.

Auch über das, was uns wieder einmal die Maßnahmen angetan haben. Weggenommen haben.

Was das Unechte, das Gefühl von Pseudo gerade beim Gedenken zum Abschied von einem Verstorbenen betrifft, muss ich an die Tötungsanstalt im Film "Soylent green" denken, in die Menschen gehen, wenn sie Ihr Leben als beendet betrachten. Wo sie mit eigens ausgesuchter Musik und zwischen hyperrealistischen Fotos wunderbarer Landschaften "sanft" euthanasiert werden. Den Film habe ich als junge Erwachsene gesehen.

Ich schaue eben in Wikipedia nach, unter welchem Titel der 1973 herausgekommene Film in Deutschland lief.
"…Jahr 2022…die überleben wollen"

Jetzt bin ich nicht nur traurig. Jetzt gruselt es mich.


Donnerstag, 13. August 2020

Unmenschlich (II)



Einer Brieffreundin von mir, selbst in der Pflege alter Menschen tätig, widerfuhr vor eineinhalb Monaten Ähnliches wie dem Freund, von dem ich vergangenen Montag erzählte.

Sie durfte ihre terminal kranke Tante nicht in der Klinik besuchen. Am Arbeitsplatz hätte sie dafür freibekommen, aber das Krankenhaus erlaubte nicht, dass sie ihre Tante besuchte.
Die Tante, die in ihrem Leben die Position einer Mutter hatte, die Tante, mit der sie tief verbunden war, der sie hätte Liebe geben wollen, die sie hätte begleiten wollen...  verweigert vom Krankenhaus.
Wenige Tage später starb die Tante. Einsam.

Die Ziehtochter kann nun sehen, wie sie mit der durch diese Erfahrung extra schwer wiegenden Trauer umgeht und wie sie verarbeitet, dass sie sich nicht verabschieden durfte. Möge ihr das gut gelingen und möge sie Menschen um sich haben, die dies Leid mit ihr tragen.
Und - ich wünsche ihr von Herzen, dass sie nicht von ihrem Arbeitgeber unter Druck gesetzt wird, mit den ihr zur Pflege anvertrauten Menschen und deren Angehörigen ebenso umzugehen.

~~~.~~~.~~~

Eine Frau mit Nierenbeckenentzündung und Fieber wurde vor wenigen Tagen in einem Krankenhaus in Oldenburg nicht behandelt. Sie hatte sich dort vorgestellt und bekam zu hören, dass man sie nur aufnehmen würde, wenn sie bestätigt, dass sie an COVID19 erkrankt sei. Und so wurde sie, so krank wie sie war, wieder nach Hause geschickt. (Quelle ab Minute 03:52)
Durch Vermittlung des Machers von obigem Videos und ein Ärztenetzwerk , dass sich als Folge allen Corona-Maßnahmen-Elends gegründet hat, konnte ihr glücklicherweise kurzfristig anderweitig medizinische Hilfe vermittelt werden.

Was nur ist mit den Menschen in diesen Zeiten los?
Wohin ist es mit unserem Zusammenleben in kürzester Zeit gekommen?

Leute, wacht auf!
Hier läuft etwas enorm schief!

Es geht nur noch um Maßnahmen. Maßnahmen und Regeln.
Angeblich zu unserem Schutz. Es wird gesagt: zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger.
Es wird gesagt: zum Schutz von allen Menschen, die hier leben..
Aber. Dies alles hat sich schon lange gegen die gekehrt, die, so wird gesagt, geschützt werden sollen.

Hier hat sich eine absolut unbarmherzige "Der-Zweck-heiligt-die-Mittel"-Ideologie Bahn gebrochen.
Und jede Mit-Menschlichkeit, jegliche Menschen-Freundlichkeit, jegliches Einfühlungsvermögen in Grund und Boden getreten.

Gewachsen auf dem furchtbar fruchtbaren Acker der Krankheits- und Todesangst jeder und jedes einzelnen.
Jede/r ist nur noch sich selbst die/der Nächste.

 



Sterben müssen wir alle.
Unklar ist nur, wann.
Bei der derzeitigen gesellschaftlichen Stimmung ist es ein sehr, sehr einsamer Prozess. 
In großer Verlassenheit.

O Herr, lass 💖Herz💖 vom Himmel fallen!!!
Und umgehend, bitte  🙏

Montag, 10. August 2020

Unmenschlich



Ein sehr lieber Freund, mit dem ich seit Jahrzehnten tief und herzlich verbunden bin, musste sich vor etwa einem Monat einer schweren, orthopädischen Operation unterziehen. Die Klinik war von sich aus auf ihn zugekommen: sie könnten die schon lange geplante OP jetzt durchführen. Chirurgische und pflegerische Kapazität sowie Betten seien ausreichend vorhanden.
Am Tag nach dem Eingriff hatten wir kurz Kontakt – es ging ihm einigermaßen gut, Nachwirkungen von der Narkose vor allem – und zwei Tage später noch einmal. So weit o.k. Dabei wurden wir unterbrochen, weil der Physiotherapeut ins Zimmer kam.
Seitdem war Funkstille. Ein paar Nachfragen, wie es ihm gehe, blieben unbeantwortet. 
Ich begann, mir wirklich Sorgen zu machen.

Gestern, nach einer weiteren, dringlich formulierten Frage nach seinem Befinden, bekam ich eine halbe Stunde nach Mitternacht, eine Antwort.

Es geht ihm in der Tat richtig mies.
Aber nicht aufgrund seiner Operation.

Sein Bruder, mit dem er ein enges, seelisches Band hat(te), lag schwerkrank in einem Krankenhaus. (Nein, kein COVID19!) Es war deutlich, dass er sich in der letzten Phase seines Lebens befand und es war abzusehen, dass er bald sterben würde.
 
Mein Freund hatte auf alle erdenklichen Arten und Weisen versucht, vom Krankenhaus die Erlaubnis zu bekommen, seinen Bruder besuchen zu dürfen. 
"Mit und ohne Anwalt", wie er mir schrieb. 
Und dieser Freund ist kreativ und hat schon die unmöglichsten Dinge in seinem Leben hinbekommen bzw. für andere Menschen erfochten!
Der Bruder hatte intensiv nach ihm verlangt und, als es ihm wirklich schlecht ging, immer wieder nach ihm gerufen.
Er bekam keine Besuchserlaubnis.
"Wegen Corona."



Am Samstag, in den frühen Abendstunden starb der Bruder. Allein.

Ich frage mich wirklich, was das für Menschen sind, die einem Sterbenden im Angesicht seiner seelischen Not den dringend benötigten Seelentrost verwehren. Die einem Sterbenden, der inbrünstig nach seinem Lieblingsbruder ruft, der erreichbar ist und kommen will, diese Begegnung und Begleitung verwehren.

Was sind das für Ärzte?
Was für Schwestern und Pfleger?
Was sind das für Menschen, die die Einhaltung unsinniger Regeln höher stellen als die Sorge für die ihnen anvertrauten Leidenden ?!?

Was geht in solchen perfekt im System der Maschinenmedizin funktionierenden Menschen vor?
Wie können sie so hart-herzig sein angesichts der tiefen, tiefen Not ihrer Patienten?
Können diese Ärzte, können diese Pfleger, können diese Schwestern sich selbst noch im Spiegel ins Gesicht sehen, in die Augen schauen? *)

Dies alles geht nun schon Monate so, und es sind unzählige Menschen in vergleichbarer, unfassbarer seelischer Not den aller-aller-letzten Weg ihres Lebens gegangen.
Allein gelassen.
Vollkommen allein gelassen.

Es ist schon (zig)tausendmal gesagt und geschrieben worden: Was hat es für einen Sinn, jemanden, der im Sterben liegt, noch vor der eventuellen, und in der momentan aktuellen Situation sehr, sehr unwahrscheinlichen Ansteckung mit Corona schützen zu wollen?
Ach so, die Besucher könnten Schwestern, Pfleger, Ärzte und andere Patienten gefährden?
Wenn doch Masken so gut "die anderen" schützen (darum, wird gesagt, sind sie ja an immer mehr Orten und bei immer mehr Gelegenheiten in Deutschland verpflichtet) – dann könnten die Besucher des Sterbenden doch ausgestattet mit den noch viel sichereren Masken der Klinik sich durchs Krankenhaus bewegen, bis sie im Zimmer der betreffenden Person angekommen sind!

Mein Feund wird wahrscheinlich noch monatelang an dem Erlebten knabbern: dass er den inniggeliebten Bruder nicht begleiten durfte. Ihm nicht beistehen durfte. Sich nicht von ihm verabschieden durfte. Er muss nun mit dem Bewusstsein leben, dass diesem geliebten Menschen ein menschenwürdiger Weg aus dem Leben verwehrt, weggenommen wurde.
Und damit, dass kein Weg, auch kein Rechtsweg in unserem demokratischen Rechtsstaat das Personal des Krankenhauses zu menschenwürdigem Verhalten bringen konnte.

Ich kann nur hoffen, dass seine Frau, wenn auch selbst mit zerbrechlicher Gesundheit, es schafft, ihn gut aufzufangen und in diesen schweren Wochen zu begleiten. Da auch sie ein sehr liebevoller, warmherziger Mensch ist, habe ich da eine gewisse Zuversicht.


*) Ich kann mir nicht helfen, dies lässt mich unweigerlich an andere historische Situationen in der deutschen Geschichte denken, in denen die Bevölkerung massenhaft mitgemacht hat, weil: "Befehl ist Befehl". 
In diesem heutigen Fall geht es nicht einmal um Befehle, sondern 'nur' um Anweisungen, die man nicht befolgen würde, ließe man es zu, dass Sterbende menschenwürdig begleitet werden von denjenigen Menschen, nach denen sie sich sehnen.
Dabei ist sogar beim Militär Befehlsverweigerung (im offiziellen Sprachgebrauch "Gehorsamsverweigerung") straffrei, wenn durch die Ausführung des Befehls 
- die Menschenwürde verletzt oder
- wenn durch das Befolgen eine Straftat begangen würde (§ 11 SG, § 22 WStG).
Nicht ausgeführt werden darf [Hervorhebung d. Verf.] (§ 11 Abs. 2 SG) ein Befehl, dessen Befolgen selbst eine Straftat oder einen schweren Verstoß gegen den Kerngehalt des Völkerrechts zur Folge hätte. 
(Quelle)
Die Menschenwürde wird durch das Ausführen solcher Corona-Regeln auf jeden Fall verletzt
Ob es sich in diesen Fällen auch um unterlassene Hilfeleistung handelt (es liegt ein schwerer, seelischer Notfall vor, bei nach ärztlicher Kunst versorgtem Körper), vermag ich nicht zu beurteilen. Mein Herz sagt: ja liegt vor. Aber Herz und Juristerei sind zwei paar Schuh.
Und wie das mit dem Kerngehalt des Völkerrechts ist, müsste auch juristisch geprüft werden.
Vielleicht sollte man sich auch nur wieder einmal ausführlich mit dem Milgram-Experiment beschäftigen. Man vergisst so leicht, zu was die Menschen in der Lage sind. Wikipedia-Link

Viel gelesen